Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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jenen alles genommen hat, daß sie jetzt nackt dastehen und nur ihre Phantasie haben, sich zu bekleiden. Ein tragischer Irrtum wars, wir sind das Irren leid. Wir können nicht einsehen, daß es charaktervoll, daß es staatsfördernd ist, die germanische Löwenhaut umzuwerfen, die nicht für uns gegerbt ist, und die uns dem Gespött preisgibt, weil sie die jüdische Nase nicht verdeckt. Wir ziehen die Konsequenzen der Geschichte, die eine Verschmelzung nicht geduldet hat, die Konsequenzen der Naturgeschichte, die eine Verschmelzung nicht dulden konnte. Und indem wir unser eigen Kleid anziehen, für uns geschaffen und uns wert, scheinen wir das, was wir sind, "lehr nicht, aber auch nicht weniger. Und wenn man uns so vielleicht nicht schön findet, ehrlich muß man uns finden. Das Turnen aber soll uns auch wieder schön machen. Dann, dann wird einmal der Tag kommen, wo die Hände über der Kluft sich finden, wo der Ruf erschallen wird: Weil ihr ehrlich seid, achten wir euch! Weil »hr etwas leistet, lieben wir euch! Der zweite Jüdische Turntag:. Der zweite Jüdische Turntag liegt nun bereits in der Vergangenheit, aber seine Arbeit, seine Leistungen gehören der Zukunft a"- Es war keine grandiose Versammlung Hunderter von Delegierten, die sich in den Osterfeiertagen in Berlin eingefunden hatten, keine Musterkarte weltberühmter Namen, die hier geboten wurde, wohl aber war es eine kleine festgefügte Schar, die, abhold allem äußerlichen Prunke und Glänze, ihr Genüge, ja ihr Bestes darin suchte Und fand, in der kurzen Spanne Zeit zweier arbeitsreicher Tage em Bündnis aufs neue zu bekräftigen, von dem für die Zukunft der Jüdischen Stammesgemeinschaft Großes erwartet wurde, und; nach dem Erfolge zu urteilen, auch erwartet werden durfte. Es galt, unserem Stamme den Willen zu einem selbständigen, kraftvollen Leben einzuhauchen, unbekümmert um die Kämpfe des Tages, allen Papiernen Zeitungsfehden zum Trotz. Denn die jüdische Turnbewegung steht nicht unangefochten da. Die berufsmäßigen Assimilanten, die gerne ihr letztes bischen Judentum verschenkten, wenn sie nur einen fänden, der den schäbigen Rest nähme, sehen in ihr nur das bewußte Herauskehren der Gegensätze und rufen von Provokation. Und manchen Zionisten wiederum ist die Bewegung nicht radikal genug. Sie haben kein Verständnis für das von ihr programmierte Nationaljudentum, das keine anderen Voraussetzungen kennt, als das Bewußtsein der Gemeinsamkeit, auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte, und nichts anderes verlangt, als d«n Willen, diese Gemeinsamkeit auf dieser Grundlage zu erhalten, Und reden von assimiliertem Zionismus. Es soll dem zweiten Turntag