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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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74 No. 5, Ü men zusammen, die stolz sind auf ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor allem brave Preußen zu sein." Nun, niemand wird uns hindern können, brave Deutsche zu sein, wir kennen keine höhere Aufgabe. Wenn aber mit besonderem Nachdruck die internationale Eigenschaft der jüdischen Turnerschaft betont wurde und gerade daraus ganz besonders die Staatsgefährlichkeit gefolgert wurde, so brauchen wir nur an die deutsche Turnerschaft zu erinnern, die noch mehr international ist als die jüdische Turnerschaft. Die jüdische Turnerschaft hat ebenso wie die deutsche ihren Grundstock in Deutschland und Oesterreich, außerhalb dieser Länder zählt nur ein Verein zu ihr, während der deutschen Tumerschaft 32 über vier Erdteile zerstreute Vereine angehören. Wenn die deutsche Turnerschaft bisher wegen ihrer „Internatioualität" nicht für staatsgefährlich galt, dann liegt kein Grund vor, die jüdische Turnerschaft zu schelten. Was sollen auch die überaus zahlreichen deutschen Vereine im Auslande, die sich ausdrücklich die Pflege der deutschen Nationalität zur Aufgabe gemacht haben, und die, wie die deutschen Schulvereine, teilweise von der deutschen Regierung unterstützt werden, anfangen, um sich gegen den Vorwurf der Staatsfeindlichkeit zu wehren? Wird vielmehr nicht von den deutschamerikanischen Vereinen, die eine Macht bilden, also leicht gefährlich werden könnten, immer und immer wieder anerkannt, daß sie die besten Patrioten des Landes seien? Der Staat hindert eben nicht die Nationalität, und Staatsgrenzen sind eben keine Nationalgrenzen. Wie sollte das auch, da ja der Staat nur eine geschichtliche Grundlage für sich in Anspruch nimmt? Sollten aber einmal Staatspflichten mit Nationalempfinden in Widerspruch geraten, dann werden ebenso die Staatspflichten die Oberhand behalten müssen, wie sie die Priorität haben bei Kollisionen mit anderen Forderungen der Blutsverwandtschaft, z. B. mit Forderungen der Familie. Man lasse uns daher endlich mit diesem Popanz in Ruhe, der nirgends besteht und nie bestanden hat. Man höre endlich auf, uns mit Phrasen, mit nichts als Phrasen, zu bekämpfen, die dadurch nichl. besser werden, daß man sie herausschreit. Mit dem Wort „Jüdische Scharfmacher" sind wir doch nicht widerlegt, und unsere Mitglieder kennen unsere Bewegung zu gut, um sich durch die Bösartigkeiten ä la „Staatsfeindlichkeit" verblüffe«1 zu lassen. Man zeige uns, daß unsere Behauptungen unrichtig sind, man zeige uns die vollzogene Assimilation und die Vorteile, die sie gebracht hat, — dann haben wir Unrecht gehabt, dann haben wir unrecht gehandelt. Man kann nichts zeigen, unser sind die Tatsachen und Redensarten sind drüben! Wir können sehr wohl den Schmerz der Juden begreifen, die zeitlebens ihre besten Kräfte daran gesetzt haben, unter unerbittlicher Vernichtung des eigenen Ich sich ganz in die Umwelt aufzulösen. Sie stehen heute vor dem Bankbruch ihres Lebens: drüben finden sie nur Kälte, werden zurückgestoßen, bleiben einsam, hüben weiß man ihnen keinen Dank, die Jugend geht über sie hinweg andere Wege. Eine Tragik fürwahr, aber nicht wir haben sie verschuldet. Wir bewahren uns eben vor dem Bankbruch, der

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