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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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72 X<>. 5/li Er stößt ihn aus." Das allein ist das Verbrechen, das wir begangen haben sollen, daß wir diese Tatsache erkannt und der Erkenntnis Ausdruck gegeben haben. Wir haben die realen Momente gesetzt an Stelle von gedachten, nicht aus übertriebenem Wirklichkeitsgefühl, nicht aus Mangel an idealem Sinn, sondern weil wir sahen, daß das Judenrum, weil wir sahen, daß wir zugrunde gingen an diesen Phrasen, die uns unsere Werte abnahmen und uns nichts dafür gaben, als die Mißachtung der Welt. Warum soll auf einmal die Aufdringlichkeit eine nationale Eigenschaft der Juden geworden sein, wenn nicht durch ihr krampfhaftes Bemühen, sich ihren Wirtsvölkern anzupassen? So also hat man dieses Streben, das wirklich in seiner Naivetät nur allzuoft aufdringlich ist, aufgefaßt. Wir entäußerten uns unseres ganzen Besitzes. Restlos wollten wir untertauchen, nichts Eigenes wünschten wir zu haben. Und die Antwort war, daß man die Fehler, die heute dem deutschen Nationalcharakter anhaften, auf das Konto unserer Oaben setzt und ängstlich bemüht ist, ja nichts von uns anzunehmen, weil es schlecht sei und schlecht mache. Wir brauchen darüber kein Gezeter zu erheben, so war es immer: was unverdaulich war, hat man als schlecht empfunden, ohne zu fragen, ob es nicht vielleicht an der Beschaffenheit des aufnehmenden Körpers liegt, daß er das Gebotene nicht verdauen kann. Zufällig finden wir im letzten Heft des „Kunstwart" einen Beleg für unsere Meinung. Der Kunstwart ist gewiß frei von dem Verdachte, antisemitische Tendenzen zu verfolgen, und eine antideutsche Haltung kann man ihm erst recht nicht vorwerfen. Da steht bei der Besprechung eines Artikels von Max Osborn, der sich gegen den Versuch wandte, eine zionistische Kunstliteratur in deutscher Sprache zu schaffen: „Die Frage liegt aber doch so: wie weit der gute Wille bei Rassenverschiedenheit genüge, genauer: es ist die Frage, ob nicht gewisse Unterschiede des Fühlens und Urteilens, wie manche „Antisemiten" behaupten, troto allen guten Willens stark genug bleiben müssen, um viele Germanen Jüdisches als fremd empfinden zu lassen" Und später: „Ob es nicht außer diesen (gemeinsamen) Aufgaben für jeden Teil noch besondere zu lösen gibt, das ist eine andere Frage." Man beachte die Anführungszeichen bei dem Wort Antisemiten. Lassen wir uns das doch endlich einmal gesagt sein! Erkennen wir doch endlich, daß unsere Verschmelzungspolitik uns nur schadet, den anderen aber nichts nützt. Wir Turner haben diese Tatsache erkannt. Wir nehmen Notiz von dem Gegensatz, der nicht nur in den höher gestellten Kreisen, sondern bis tief in die Bevölkerung hinein zu den Juden besteht, wir rechnen damit. Und heißt das denn, auf die Kultur, auf die deutsche Kultur verzichten, wenn wir unsere Werte pflegen wollen? Weisen wir die deutsche Kultur zurück? Wir nehmen dankbar das gute, woher es kommt, doppelt dankbar, wenn es aus unserem deutschen Vaterlande kommt. Nur nehmen wir es nicht kritiklos. Wir prüfen es, ob es für uns geeignet ist, denn es ist durchaus nicht alles für uns gut. So hoffen wir wieder stark zu werden: stark an Körper und stark an

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