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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 5/6 71 deshalb unterdrückte, weil er sich hätte gegen einen Minister richten müssen? Wir meinen, es wäre endlich an der Zeit, daß eine Phraseologie aufhörte, die immer mit den Begriffen „friedliche Verschmelzungspolitik", „Anpassungsprozeß" u.w. usw. um sich wirft und gar nicht, aber auch gar nicht darüber Erwägungen anstellt, ob diese Begriffe sich auch nur in etwa mit den realen Erscheinungen vereinbaren lassen. Es ist ein anerkannter Grundsatz der modernen Wissenschaft, daß sie nicht ausgeht von Hypothesen, sondern vielmehr ihre Behauptungen aufbaut aus den realen Erfahrungen heraus und dieser Grundsatz ist in dem Begriff „Realpolitik" auf die moderne Politik übertragen worden. Der Begriff aber untersagt, daß einem Ideale zuliebe, und sei es noch so schön, Prinzipien aufgestellt und Maßregeln ergriffen werden, die deshalb unwahr und halb bleiben müssen, weil sie an Stelle der gegebenen Faktoren gedachte verlangen. Wir können nicht einsehen, warum die jüdische Frage da wieder einmal eine Ausnahme bilden soll, warum für die Juden wieder einmal ein Sondergesetz gelten soll. Seit hundert Jahren kennt man diese Phrasen, die, als sie entstanden, gewiß ernst gemeint wurden. Und die Juden meinen sie wahrhaftig heute noch ernst. Aber was haben sie damit erreicht? Wir schweigen von den offenbaren Gesetzesverschiebungen, wie sie aber- und abermal in den Abwehrvereinen, im Staatsbürgerverein usw. breit getreten werden. Wir verweisen nur auf das „natürliche Rassengefühl" der Kölnischen Zeitung, das sie freilich nur gegen uns anerkennt, auf „den Mangel jener Eigenschaft, die man als Dank bezeichnet", der uns nach der Kölnischen Zeitung zu eigen sein soll, freilich auch auf die »eigenartigen Feinheiten der jüdischen Rasse, Kunst und Kultur", die auch die Kölnische Zeitung bei uns findet. Also eine Menge Eigenarten gibt uns auch die Kölnische Zeitung noch zu. Die nationalen Verschiedenheiten sind nun einmal da, sind immer noch da, obgleich es die Juden weder am ernsten Willen noch an der Tat haben fehlen lassen, um sie zu beseitigen. Aber wenn sie im Deutschtum aufgehen sollen, so sind auch offenbar die Deutschen dazu nötig. Und da stehen wir heute einfach vor der Erkenntnis, daß es weder mit dem Willen der Juden noch mit dem Willen der Deutschen allein getan ist; die Möglichkeit muß vorhanden sein, und die ist offenbar nicht Vorhanden. In der „Politisch-anthropologischen Revue", Jahrg. 4, Nq. 2 (schreibt Dr. Leo Sofer in einem Artikel „Ueber den gegenwärtigen Stand der Judenfrage": „Der gesellschaftliche Assimilations- Prozeß hat ja sein natürliches Analogon in der Art und Weise, wie z. B. der Magen einen fremden Körper sich assimiliert.. Zwei Dinge gehören im allgemeinen zu der gedeihlichen Entwicklung des Prozesses; ein Körper, der assimiliert werden will, und ein Körper, der rtft .und den Willen zum Assimilieren hat. Der jüdische Körper stürzte sich mit Selbstvergessenheit und Erlösungssucht in den aricnen Magen, aber der arische Magen scheint ihn nicht zu vertragen.

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