Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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70 die dem Judentum nur schaden könne. Diesmal aber hat man stärkeres Geschütz aufgefahren. Diesesmal war es keine Mahnung an die Juden, es war eine Warnung an die Deutschen. Den Deutschen galt unsere Tendenz, Feinde waren wir des Staates, Deutschland war in Gefahr. „Die in deutschen Grenzen Staatsbürgerrecht genießenden Juden sind politisch Deutsche. Die Betonung ihrer internationalen Zusammengehörigkeit auf der Grundlage ihrer Rassenverwandschaft ist staatsfeindlich. Selbst schon ein Rassenzusammenschluß antideutscher (!) Art in Deutschland selbst ist staatsgefährdend und kann von den Freunden einer ruhigen Entwicklung unseres Staatsganzen nicht geduldet werden" (ebendas.). Und damit der Warnung an die Deutschen die Drohung gegen die Juden nicht fehle, heißt es eine Zeile weiter: „Und schließlich sind sie (die Juden) es doch, die von einer weiteren Verschärfung der Gegensätze den größten Nachteil haben."(ü) Das stand im ersten Artikel, die folgenden waren nicht gemäßigter, waren nicht weniger ungerecht, nicht weniger bösartig. In No. 463 der Kölnischen Zeitung vom 4. Mai hieß es in einem Artikel, den die Kölnische Zeitung selbst als Zuschrift eines Juden und zwar eines „in angesehener Lebensstellung" bezeichnet und der ihr besonders beachtenswert dünkt: „Wenn sie uns aber unser über alles heißgeliebtes deutsches Vaterland verekeln oder auch irgendwie in unser deutsches Leben trennend oder hemmend eingreifen wollen" usw. usw. Und ähnlichen Inhaltes waren auch die anderen Artikel. Wir bewundern die Gewandtheit, mit der es der Kölnischen Zeitung gelang, den Standpunkt zu verdrehen und uns die Rolle des Herausforderers zuzuschieben. Allerdings originell ist uns das Taschenspielerkunststückchen nicht erschienen, wir hatten es zu oft in antisemitischen Blättern gefunden und wir fanden es noch einmal in der Staatsbürger-Zeitung No. 223 vom 13. Mai, die sich dabei ausdrücklich auf die Kölnische Zeitung beruft. Das steht also nach der Kölnischen Zeitung fest: wir sind Feinde des Staatsganzen, weil wir eine Rassenverschiedenheit zwischen Deutschen und Juden behaupten und mit diesem Rassengegensatz rechnen. Denn unsere „antideutschen Bestrebungen", das „Verekeln des heißgeliebten Vaterlandes" usw. dürfen wir wohl als Entgleisungen auffassen, weil wir nicht annehmen können, daß die Kölnische Zeitung wissentlich die Unwahrheit schreibt. Dann wird aber die Kölnische Zeitung eine Frage gestatten: Warum erhob sie diesen Vorwurf der Staatsfeindlichkeit nicht auch vor einigen Wochen gegen den Mann, der von verantwortlicher Stelle aus im preußischen Landtage die Behauptung aufstellte, es sei nicht zu leugnen, „daß nicht nur in den höher gestellten Kreisen, sondern bis tief in die Bevölkerung hinein ein Gegensatz zu den Juden besteht, daß der jüdische Kanterad nicht gefällt; aber er muß ertragen werden" und mit dieser angeblichen Tatsache die Nichtbeförderung jüdischer Einjähriger begründete? Wir können doch von dem führenden Blatte der Liberalen nicht annehmen, daß es einen so schwerwiegenden Vorwurf nur