Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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60 No. 4 Nun, meine lieben Turngenossen, wollt ihr ein Kürturnen veranstalten, so müssen sich füglich alle daran beteiligen und eine bestimmte Ordnung braucht nicht aufrecht erhalten zu werden. W ollt ihr aber eine Musterriege vorführen, so darf sie nur sein wie oben geschildert, nicht anders; denn sonst ist sie keine Musterriege, sondern nur die Karrikatur einer solchen. Wem von den Teilnehmern an der Baselfahrt wird nicht die von uns gestellte in jeder Beziehung ganz mustergültige Barrenriege beim Schauturnen vor die Augen getreten sein? Welch ein Unterschied! — Es ist wohl nicht mehr notwendig, noch auf das Einzelne, welches diesen Eindruck hervorgerufen hat, einzugehen. Hoffentlich wissen alle Teilnehmer, besonders aber der Leiter der „Musterriege", worin gefehlt wurde und richtet, wenn sich wieder Gelegenheit bieten sollte, die Riege danach ein. Es war schade, daß bei den durchschnittlich guten, ja manchmal fast fehlerlos ausgeführten Uebungen die Kräfte nicht besser verwertet worden sind. Außerdem hätte der Abwechselung halber einmal Barren oder besser das viel zu wenig bei uns geschätzte Seitenpferd als Gerät für die Riege genommen werden können. — Diese Geräte vermißte man auch bei dem Kürturnen, das jetzt folgte' — Den Schluß des Turnens machte das Tauziehen. — Was lernen wir nun von diesem Schauturnen? Es ist in wenige Sätze zu kleiden: Geben wir uns nicht mehr zufrieden mit dem Augenblickserfolge des „Klappens", sondern streben wir danach, in durchaus ernster turnerischer Arbeit — zwar „Arbeit im Gewände der Freude" — mit allen Kräften uns zu einer innerlich festen Organisation umzugestalten. Erst dann können wir unserer nationalen Bewegung die festeste Stütze sein. — Wir aber sind stehen geblieben, daher zurückgegangen! Gehen wir wieder vorwärts! — J. C. Aus der jüdischen Turnerwelt. Berlin. Jüdischer Turnverein „Bar Kochba". Die am 8. April startgehabte außerordentliche Hauptversammlung beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem Turntage. Als Delegierte wurden außer den Berlin*' Mitgliedern des Ausschusses Dr. Tuch, Dr. Jalowicz, Scholem und Hirsen noch Dr. Moses, Dr. Mühsam, Qraupe, Dr. Blum, Herrmann und Frl. Eger gewählt. Zum I. Vorsitzenden wurde Dr. Hans Mühsam, Yorkstr. 51, gewählt Die Herren Dr. Moses, I. Vorsitzender. Dr. Emil Hirsch, bisher II. Turnwart, und Elias Auerbach, Beisitzer, haben ihre Aemter niedergelegt. Den Scheidenden sei auch an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen. Neugewählt wurden: Theobald Scholem, Planufer 63, als II. Vorsitzender, Julius Cohn. Lottumstr. 21, II. Turn wart, und Oeorg Wolff, Marsiliusstraße 23, als Beisitzer. Am 18. März fand anläßlich des einjährigen Bestehens der IV. Männer-Abteilung eine fröhliche Kneipe unter Leitung des Turnwarts Katzky statt. Die Festrede hielt der I. Schriftführer Oraupe. Das am Abend des Schauturnens veranstaltete Purimfest verlief zur allgemeinen Zufriedenheit. Herr Dr. Theodor Zlocisti hatte bei dem Fest einleitenden Kommerse liebenswürdigerweise die Tendenzrede über-