Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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58 No. 4 Mngabtlg. unter Führung ihres Turnwartes Max Cohn, die Frauenabteilungen unter Leitung Frl. Frankels und die Männerabteilungen unter Leitung des I. Turnwartes Dr. Richard Blum. — Alle diese Vorführungen wurden vom Publikum mit dem reichsten Beifall bedacht, denn es klappte ja auch im großen und ganzen. So, unter dem Zeichen des „Klappens" und der beifälligen Aufnahme von Seiten der Zuschauer, konnte man von dem Schauturnen mit Recht in den allgemeinen Zeitungen berichten. — Soll jedoch eine derartige Vorführung von einer Turnzeitung besprochen werden, so genügen diese äußeren Erfolge zur Beurteilung desselben nicht, und nur eine ernste, das Wesen und den Wert der einzelnen Uebungen behandelnde Betrachtung, kann uns zum wirklichen Verständnis des Schauturnens führen. — Von diesem Standpunkte aus, wollen wir nun das Turnen der einzelnen Abteilungen betrachten. — Mit dem Turnen der Mädchenabteilung konnte man im ganzen zufrieden sein. Wenn auch die Richtung während des Aufmarsches teilweise eine bessere hätte sein können, so war doch der Oesamteindruck des Turnens ein günstiger. Die Leistungen einer solchen Abteilung dürfen natürlich nicht mit demselben Maße gemessen werden als die der anderen. — Das Turnen der Lehrlinge hat angenehm überrascht. Durch alle ihre Vorführungen ging ein strammer turnerischer Zug. Besonders lobend hervorzuheben war, (was eigentlich selbstverständlich sein müßte, aber bei diesem Schauturnen von den anderen Abteilungen nicht so beobachtet wurde), die geordnete Haltung der Riegen während des Geräteturnens. Außerdem zeigte das Turnen der Reck- und Barrenriege, daß mit Erfolg gearbeitet worden ist und sich die Abteilung einen guten Durchschnitt herangebildet hat. — Die Frauenabteilungen haben uns durch ihr früheres Auftreten verwöhnt, so daß ihre Leistungen uns diesmal nicht überraschen konnten. Sehr bedenklich erscheint uns die geringere Beteiligung gegen das Vorjahr. Doch nun zum Turnen selber. Leider vermißte man die Frische und Präzision, die früher das Turnen dieser Abteilung auszeichnete. Auch hier, wie bei der Mädchenabteilung Heß die Richtung beim Aufmarsch und den Freiübungen zu wünschen übrig. Die Ausführung der letzteren stand auch nicht auf der Höhe. Das einzige, was hier erfrischend berührte, war die Zusammensetzung der Freiübungen, die einmal etwas anderes als die bei uns zum Schauturnen beliebten Stab- und Freiübungen zeigten. In dieser Beziehung haben allerdings die Frauenabteilungen stets mit an der Spitze gestanden. Der ungeordnete Anmarsch zu den einzelnen Geräten hätte vermieden werden können. — Den Schluß des Frauenturnens machte der Reigen, der als gut gelungen angesehen werden kann. Wird durch ihn die Ausbildung zur Anmut und BewegUchkert erreicht, so ist doch auf der anderen Seite, beim Geräteturnen die straffere, turnerische Erziehung zur Kraft nicht zu vernachlässigen.