Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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No. 4 67 bar anhaftende generelle und prinzipielle Schärfe gegen unsere Bewegung. Besonders interessant wird der Kreistagsbeschluß noch dadurch, daß er — was Herr Bendix mit naivem Stolze verrät — auf seine Veranlassung gefaßt worden ist! Dieses Faktum ist ebenso neu und überraschend wie erbaulich. Man denke: Herr Simon Bendix laßt den Redner Angriffe, an die er nie gedacht, gegen die „Deutsche «urnerschaft" schleudern, läuft dann zum Kreistag und macht gegen die Jüdische Turnerschaft mobil. Der Beschluß wird um so leichter gefaßt, als der Antragsteller in seinem Lokalverein eine Rolle spielt und — Jude ist. Dadurch büßt auch die seitens des Kreistags den Juden gezollte Anerkennung erheblich an Wert ein. Denn es ist etwas anderes, wenn von antisemitischen Vorurteilen freie Nichtjuden aus eigenem Antriebe den Beschluß fassen, ihre jüdischen rurngenossen ihrer Achtung und Wertschätzung zu versichern, und etwas anderes, wenn der Jude Simon Bendix einen judenfreund- «chen Antrag stellt und kraft seines lokalen Einflusses einen Druck auf seine Kollegen ausübt. Den Antrag des Herrn Bendix konnte der Kreistag, wenn er nicht in eine schiefe Lage geraten wollte, nicht gut ablehnen. Man wird Herrn Bendix zumindest den Vorwurf leichtfertigen »»andelns nicht ersparen können. Wie konnte er so unbesonnen sein, den Kreistag zur Fassung eines offiziellen Beschlusses zu verleiten und den verdammenswerten Versuch unternehmen, Zwiespalt zwischen deutschen und jüdischen Turnvereinen zu erregen! Es ist ihm zwar gelungen, eine Bannbulle gegen die „Jüdische urnerschaft" zu erwirken, doch fragt es sich, ob der Bann aufrecht erhalten werden wird. Nachdem Herr Dr. Zirker die ihm in den Mund gelegten Aeußerungen als mißverständlich aufgefaßt zurückgewiesen, ist es nunmehr Sache der Leitung des Kreises VIII b, den jetzt unhaltbar gewordenen Beschluß offiziell aufzuheben. Wir «rwarten, daß dies einmütig geschieht. Kritik des Schauturnens des Turnvereins »Bar Kochba"-Berlin am 26. März 1905. . Wieder war nach einem Jahre der Tag angebrochen, an dem Turnverein „Bar Kochba" durch ein Schauturnen an die Oeffent- »chkeit treten sollte. — Und wie in den vergangenen Jahren schien freundlich die Sonne und von allen Teilen der Stadt Berlin strömten »urner und Turnerinnen der Halle des Dorotheenstädt. Realgymnasiums in der Prinz Louis Ferdinandstr. zu, mit ihnen das Publikum »n hellen Scharen, so daß der ihm zugewiesene Raum bald drückend gefüllt war. — . r ' Das Schauturnen begann. Es turnte zuerst die Mädchenabteilung unter der Leitung der Turnlehrerin Frl. Fränkel, dann die Lehr-