Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JJo. 4 55 der aus derselben schöpfenden Hand einfach den Fußboden des Turnsaales anfeuchten, sondern man soll die Gießkanne in hohem Bogen schwingen, damit der Regen aus möglichst großer Höhe herniederfällt und den Staub aus der Luft mit herunterreißen kann. Gleichzeitig wird damit auch die Luft feuchter und zum Atmen geeigneter. Ferner soll nicht zu lange hintereinander im selben Saal geturnt werden. Sind mehrere Abteilungen genötigt, nach einander dieselbe Turnhalle zu benutzen, so mu ßdafür Sorge getragen werden, daß die Luft in derselben — selbst auf Kosten der Temperatur — erneuert wird. Dazu genügt nicht das Oeffnen eines Fensters, sondern zwei einander gegenüberliegende Fenster müssen geöffnet werden, damit Zugluft entsteht. — Unter den vielen Punkten, die für die Atmungshygiene noch in Betracht kommen, möchte ich als der wichtigsten einen die Kleidung hervorheben. Wie schon kurz erwähnt, wird bei der Einatmung der Brustkorb in jeder Dimension erweitert. Die Ausdehnung in die Breite und Tiefe geschieht durch Hebung der Rippen, die Ausdehnung in die Höhe durch Abflachung des kuppeiförmig zwischen Brust- und Bauchhöhle ausgespannten Zwerchfelles. Durch die letztgenannte Bewegung werden die Baucheingeweide vorgetrieben, weshalb man diesen Atemtypus Bauchatmung nennt im Gegensatz zur erst beschriebenen Brustatmung. Beide Arten sind gleich wichtig, und jeder kann sie leicht an sich selbst beobachten. Eine zweckmäßige Kleidung soll keine dieser beiden Atembewegungen behindern. Bei der üblichen Tracht findet eine Beschränkung der Atmung in der oberen Brusthälfte meist nicht statt, wohl aber durch das Korsett in der unteren Brusthälfte. Selbst ein noch so niedriges Korsett wird immer noch die untersten Rippen verhindern, sich gehörig zu weiten; ein hohes Korsett ist natürlich dadurch, daß es eine größere Anzahl von Rippen aus der Aitemtätigkeit ausschaltet, ein noch größeres Atmüngshindernis. Hauptsächlich aber wird die Bauchatmung behindert. Und hier kann ich auch den männlichen Turnern einen Vorwurf nicht ersparen. Jeder die Weichen fest einschnürende Gurt stellt ein Atmungshindernis dar; denn er hindert das Zwerchfell den Brustraum in der Richtung von oben nach unten dadurch zu vergrößern, daß es durch Vortreiben der Weichen und des Unterleibs sich abflacht. Besonders unzweckmäßig ist dabei natürlich ein den Unterleib zum Teil deckendes Korsett, denn dieses verhindert das Ausweichen der Baucheingeweide bei der Atmung noch besonders. Unzweckmäßig ist ferner ein Gummigürtel, da dieser der Weitung beim Atmen einen mit der Tiefe der Atmung zunehmenden Widerstand entgegensetzt. Beim Turnen soll deshalb ein Korsett oder elastischer Gürtel nie getragen werden. Am zweckmäßigsten werden Hose und Röcke an Tragbändern über den Schultern getragen. Für Uebungen, bei denen die Schultern frei bleiben' müssen, bediene man sich eines nicht elastischen Gurtes, der bei mäßiger Einatmung anliegen soll (nicht bei forcierter Ausmatmung!). Wer dafür sorgt, daß beim Turnen Schädlichkeiten von den