Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 4 (4.1905)
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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54 No. 4 Raum in die Kälte draußen trat, sondern weil er draußen mit offnem Munde atmete. Aus all den vorerwähnten Beobachtungen und Ueberlegungen ersehen wir die Wichtigkeit der Nasenatmung. Wer sich gewöhnt, stets durch die Nase zu atmen, wird von Erkrankungen der Lungen in der Regel verschont bleiben. Dieselben Betrachtungen, die uns zu der Ueberzeugung von der Wichtigkeit der Nasenatmung überhaupt gebracht haben, müssen uns im Turnsaal im besonderen leiten. Bei jeder körperlichen Tätigkeit steigt das Sauerstoffbedürfnis des Körpers. Wir haben oben gesehen, daß die Aufnahmestelle für den Sauerstoff die Lungen sind. Die Lungen müssen deshalb mehr Arbeit leisten. Daher atmen wir bei Anstrengungen rascher und tiefer. Zunächst stellen wir alle verfügbaren Muskeln in den Dienst des Atmungsapparates: Hais¬ und Brustmuskeln spannen sich und die Nasenflügel weiten sich. Schließlich reicht die Weite der Nase nicht mehr aus, um die Luft rasch genug und in genügend großer Menge durchtreten zu lassen und der Mund wird aufgerissen. Nun halte man sich die Situation vor Augen: eine Abteilung von 40 Mann macht Dauerlauf im Turnsaal. Mit jedem Schritt wirbelt jeder Läufer eine Staubwolke mit Milliarden von krankheitserregenden Bakterien in die Luft, die dem Hintermann als Atemluft präsentiert wird. Und dieser wieder saugt die Luft begierig durch den Mund ein, unter Ausschaltung des Staubfangs — der Nase; dazu ist die Luft trocken und nicht vorgewärmt, während der Läufer in Schweiß gebadet ist. Wäre es da nicht ein Wunder, wenn der Unvorsichtige gesund bleibt? Die ungeheure Verbreitung der sogenannten Erkältungskrankheiten lehrt zur Genüge die bösen Folgen. Wenn der Turner nicht mehr mit geschlossenem Munde arbeiten kann, so soll er aufhören, und erst, wenn er sich erholt hat, wieder in die Riege eintreten. Doppelter Vorsicht bedarf jeder, der schon mit der Lunge etwas zu tun gehabt hat. Es würde dem Zwecke der Turnerei durchaus zuwiderlaufen, wenn wir ein Organ auf Kosten eines andern ausbilden wollten. Wir wollen nicht einseitig unsere Muskulatur stärken, sondern wir wollen den ganzen Organismus kräftigen, und da dürfen wir nicht die Lungen vernachlässigen zu Gunsten des übrigen Körpers. Wenn wir den Lungen stets nur so viel Arbeit zumuten, wie sie normalerweise leisten können, so werden wir beim Turnen auch die Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft unseres Atmungsapparates heben. Aber auch im Turnsaal können wir einige Konzessionen an die Hygiene der Atmung machen. Wir können die Luft, schon bevor sie in die Nase eintritt, für die Aufnahme in die Lungen möglichst geeignet machen. Zu diesem Zweck befreien wir sie, so gut wie möglich, von Staub. Wir benutzen dazu zerstäubendes Wasser. Jeder Wassertropfen reißt eine Menge Staub mit sich nieder und hält ihn durch seine Schwere am Boden fest. Man soll deshalb nicht, wie es meist geschieht, mit gesenkter Gießkanne oder mit