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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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No. 2/3 37 und man bei der Aussicht, zum nächsten Turnfest einen Preisturner mehr zu haben, über das — andere ausnahmsweise hinwegsieht. Auf dem Deutschen Turnfest in Nürnberg sah ich mit meinen Freunden einer Alten-Herren-Musterriege am Pferd mit Interesse zu, die von einem großen Vereine gestellt wurde. Mir fiel besonders ein alter Herr mit schon grauem Barte auf, den ich für einen Juden hielt. Ich fragte einen Herrn, der von diesem Vereine ebenfalls dem Turnen zusah, nach diesem betreffenden Turner und erhielt die Antwort: „Nein, das ist kein Jude, der sieht nur etwas jüdisch aus!" Als er bei dieser Antwort mich dann ansah und wohl merkte, wen er vor siqh hatte, fügte er gleichsam entschuldigend hinzu: „Zu unserem Vereine melden sich überhaupt keine Juden!" Ja, das ist es eben! Sie würden sich sicherlich schon melden, wenn sie wüßten, daß sie auch aufgenommen würden. Doch da dies vielfach nicht der Fall ist und es ihnen in anderen Vereinen gesellschaftlich nicht behagt, müssen sie sich schon, wenn sie turnen wollen, ihre eigenen Vereine bilden. Dies ist, meines Erachtens, ein Hauptgrund mit, daß diese Bewegung erstanden ist, und wenn die Deutsche Turnerschaft entgegenarbeiten will, so sollen es die einzelnen Vereine tun, indem sie die Schranken, welche noch vielen Turnern jüdischen Glaubens die Aufnahme in die Vereine verwehren, langsam fallen lassen. J. J." Diese merkwürdige Gegnerschaft des Herrn J. J. können wir uns sehr wohl gefallen lassen, beweist sie doch unfreiwillig gerade das, was von unserer Seite stets behauptet worden ist. Ob freilich die Deutsche Turnerschaft von diesem Freundschaftsdienst sonderlich erbaut sein wird, möchten wir billig bezweifeln. Ist doch mit dem Abdruck dieser Zeilen in ihrem eigenen Blatt die von ihr und namentlich von dem Turnkreis VIII stets so energisch abgeleugnete Tatsache eines latenten Antisemitismus in den deutschen Turnvereinen festgenagelt worden. Uebei den Geschmack wollen wir mit Herrn J. J. nicht streiten. Wer es, wie er, am eigenen Leibe empfunden hat, mit welchem Widerstreben im allgemeinen Juden Aufnahme fanden, wie sie sie nur durch „Riesenschwünge oder sonstige Gipfelübungen" erlangen können, und dennoch bleibt, sich Ehrenämter überweisen läßt und milde mahnt, die Schranken gegen die Juden 1 a n g - Sam (sie!) fallen zu lassen, der freilich kann einer von Selbstbewußtsein getragenen Bewegung, wie der unseren, kein Verständnis entgegenbringen.; In seinem Aufsatz scheint Herr Dr. Blenke daran zu zweifeln, daß von dem Berichterstatter (Herrn Dr. Zirker) die ihm gegenüber 'getanen „Aeußerungen Hofrat Mauls richtig verstanden und richtig Wiedergegeben" seien. Der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft f)at sich darauf an Herrn Hofrat Maul gewandt, mit der Bitte, 'tan eine Bestätigung der Zirkerschen Darstellung zu geben. Daraui ging folgendes Schreiben des Herrn Maul ein, in welchem fr seinen prinzipiellen Standpunkt folgendermaßen zum Ausdruck Dringt: »Mir erschien und erscheint noch das Bestehen jüdischer Turnvereine völlig gerechtfertigt aus drei Hauptgründen: 1". Weil in der Tat, entgegen der Meinung des Turntages des Kreises VIII b, in manchen Turnvereinen die Juden miß-

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