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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Wandlung in ihm vor. „Ein Gefühlsmensch wurde er darüber nicht, auch kein Idealist, aber ein besserer und glücklicherer Mensch. Ihm war's, als blühten ihm Rosen im September, nachdem ihm die Rosen des Mai versagt geblieben. ..." Aber seine ganze Mission hat Schiller im Ghetto noch nicht erfüllt. Und so lange die Schadchanim noch nicht ausgestorben sind, tun unsere Mädchen gut daran, wenn sie gar oft an die Verse denken: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet: Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang! Schiller hat also in der Judengasse nicht aufzuerstehen, aber wohl fortzubestehen, fortzuwirken. Und das wird auch geschehen. Dafür bürgt uns die jungjüdische Bewegung, die allenthalben - keimt und sproßt, und die schon manches Unkraut ausgejätet, manch zukunftsfrohes Bäumchen gepflanzt hat. Schiller war wirksam bei der Morgenröte unserer Renaissance, und er wird auch den hell leuchtenden Tag miterleben. Ein deutscher und ein jüdischer Gegner. Eine Antwort. In der letzten Nummer unseres Blattes brachten wir einen von Dr. Blenke in der „Deutschen Turnztg." gegen unsere Bewegung gerichteten Artikel zum Abdruck, mußten jedoch damals, da er kurz vor Redaktionsschluß erschien, auf eine Entgegnung vorläufig verzichten. Inzwischen ist in dem Sprechsaal der „Dtsch. Turnztg." vom 16. Februar ein Eingesandt veröffentlicht worden, in dem ein der Deutschen Turnerschaft angehörender Jude zu der Frage Stellung nimmt. Er schreibt: „Dr. Blenke-Hamm i. W. befaßt sich in No. 4 der „Deutschen Turn-Zeitung" mit den Bestrebungen der jüdischen Turnerschaft, die er verurteilt und denen er vonseiten der Deutschen Turnerschaft entgegengearbeitet sehen will. Ich selbst bin Jude, und ich kann sagen, daß mir auch stets — wie es der Kreistag des Kreises Vlllb sagt --- die Achtung meiner Turngenossen entgegengebracht wurde: hat micn doch deren Vertrauen schon vor einigen Jahren zum zweiten Turnwart berufen, welches Ehrenamt ich heute noch bekleide und das ich vorher schon in einem anderen Verein inne hatte. Auch ich kann diese Bewegung nicht billigen, weil sie doch nur dazu beiträgt, dem Antisemitismus neue Nahrung zu geben. Wenn diesen Bestrebungen aber entgegengearbeitet werden soll, so können das am besten, die einzelnen Vereine. Es ist ja leider so, daß sich in manchen Städten ate Vereine nach Gesellschaftsklassen gruppieren. Und gerade bei Vereinen der besseren Gesellschaftsklasse gilt — wenn auch nicht offiziell — so aber stillschweigend der Paragraph, daß keine Juden aufe*' nomtrten werden. Meldet sich in einem besseren Verein ein fremder Turner mit gutem Benehmen und sauberem Anzug, so wird er fast anstandslos aufgenommen, wenn sonst nichts Nachteiliges über in" bekannt ist, hat er aber ein jüdisches Aussehen und ebensolchen Namen, so ist das oft sehr zweifelhaft, es sei denn, daß er sii:n durch einige Riesenschwünge oder sonstige Gipfelübungen einfuhrt

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