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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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mai „den Juden der Juden", den Ueberjuden, nennt, hat nie das >,Ethos" verleugnet. Im Gegenteil. Seine schönsten Dichtungen sind •m Grunde verhaltene Predigten. Aber Mendele hat es verstanden, seine Ethik so zu lehren, daß man bei der Ausdrucksweise stehen geblieben ist und ihn den „Hebräergriechen" genannt hat. ... Er ist aber Grieche bloß der Form nach, während das innere Feuer, das Treibende, bei ihm reines, jüdisches Herzblut ist. Ich glaube, es gut, hier an Friedrich Hebbels gewichtige Worte /u erinnern: „Ich hatte mich bisher bei meinem Nachleiern Schillers sehr wohl befunden und dem Philosophen manchen Zweifel, dem Aesthetiker manche Schönheitsregel abgelauscht, um Seitenstücke zum Ideal und das Leben zu anderen Treibhauspflanzen, die es bei gekünstelter Farbe doch nie zu Geruch und Geschmack bringen, zu liefern; yon Goethe war mir nur zu wenig zu Gesicht gekommen, und ich hatte ihn um so mehr etwas geringschätzig behandelt, weil sein Feuer gewissermaßen ein unterirdisches ist und weil ich überhaupt glaubte, daß zwischen ihm und Schiller ein Verhältnis wie etwa zwischen Mohammed und Christus bestehe; daß sie fast gar nicht "Miteinander verwandt seien, konnte mir gar nicht einfallen." Es ist Mendeles hohes Verdienst, zuerst und unabhängig von Goethe, das ■ unterirdische Feuer" in die hebräische Literatur eingeführt zu haben, und alle, die nach Mendele kamen, haben sich vor nichts so sehr wie vor einem „Nachleiern" gehütet. IV. So in der Literatur! Im Leben der Ghettobewohner aber ist nichts von einer „Los-von-Schiller"-Strömung zu merken. Und dem |st gut so. Denn im Treiben des Alltags wirken' alle seine nohen Werke ast noch wie am ersten Tage. Und dankbaren Herzens muß auch pUs,8esPi"ochen werden, daß sie im Ghetto den denkbar günstigsten "'nfluß ausgeübt haben. Unter den Faktoren, die hier die Renaissance n meru,chlichen Gefühle angebahnt haben, ist Schillers Platz obenan, lese Renaissance hat begreiflicherweise mit Nachdruck zuerst bei er. Jüdin eingesetzt, schon darum, weil sie den Pilpul nicht erst u uberwinden hatte und sie auch in den vorangehenden Jahrhunderten .enr Herzensbildung genoß. Es genügt hier, an die in dieser Begehung bedeutsamen Bücher „Z'ehnah Ur'ehnah" und „M'norath ■ ^mmaP"'" zu erinnern, die jeden Sabbath fast ausnahmslos von Cj Jüd>n gelesen wurden, zum Teil noch gelesen werden. Auch zusC "1I der ^u£an£ zur profanen Bildung und Lektüre, also auch h er> n'cht in dem Maße wie dem männlichen Geschlechte au jVer*' Aber auch unermeßlich ist die Schar der einfachen Männer * detn Volke, denen es mit Schiller wie dem Barnower Stadtarzt sich^' V°" dem Franzos ..Schiller in Barnow" eilzählt. Der hat e-e k"S bitterster Armut zum Stadtarzt Dr. Arthur Tulpenblüh emporein i et' die Not hat ihn hart gemacnt- A,s Vierziger griff er Eind "aCh e'nem Bande von Sdliller- »Nicht etwa. daß (1er ers<c nie •rU°'i e'" bezaubernder war; eigentlich hatte der arme Mann, der jung gewesen, nur ein Gefühl des Staunens." Allmählich ging eine

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