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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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80 No. 2 3 Eine kleine Gruppe bot ihren Befürchtungen allerdings sofort die Probe aufs Exempel. Die sog. Territorialisten erkennen Palästina als notwendiges Glied der Bewegung nicht an. Ihnen gilt nur der Staat, nur die Wiedergeburt des Volkes, auch ohne dessen historisches Land. Darum wird ihnen Uganda nicht zum Mittel, sondern zum Ziel. Einig in der Ablehnung des englischen Projekts differieren seine Gegner untereinander in wichtigen Punkten. Der bisherige Weg war vornehmlich auf die Erlangung der öffentlich-rechtlichen Sicherung gerichtet. Die Augenblicksarbeit in Palästina wurde abgelehnt, die finanziellen Vorarbeiten aber energisch betrieben. Während die einen an dieser Taktik festhalten wollen, wünscht eine andere Gruppe, alte Forderungen wiederaufnehmend, parallel zu der bisherigen Arbeit die Inangriffnahme landwirtschaftlicher und industrieller Unternehmungen in Palästina, wünscht eine dritte vornehmlich, wenn nicht gar ausschließlich, die Arbeit in Palästina unter Zurücktretenlassen der auf den Charter gerichteten Politik. Auf den Standpunkt der bisherigen Kolonisationsvereine sinkt aber auch die zuletzt charakterisierte Richtung nicht herab: auch ihr Ziel bleibt die nationale und politische Wiedergeburt des Volkes. Nur wird seine Erreichung vornehmlich von dem Schwergewicht der natürlichen Entwickelung erwartet. Die Befürchtung, daß die Durchführung des Versuches, zu zeigen, wie die zionistische Idee sich in den Köpfen malt, bald zur Personalbeschreibung (terminus technicus: Heldengeschichten!) führen müßte, gebietet Halt. Erwähne ich noch die sich wesentlich als Spielarten der zuletzt erwähnten Richtung gebenden palästinafreundlichen ugandafeindlichen Cypernfreunde und die den Ton auf die kulturelle Seite legenden Zionisten, so stehen wir am Ende der breiten Front, die, in der Bewaffnung z. T. verschieden, dennoch unter derselben Losung kämpft. Manch ehrliches Turnerherz wird mir zürnen. Wo bleiben die Turner? — Aber man muß erst die Parteien kennen, um den neutralen Standpunkt zu verstehen. Die nationalen Turnvereine sind nicht Partei; aber sie negieren auch nicht das parteiische Ziel. Nichtpolitische und politische Zionisten dienen in ihnen dem gemeinsamen Ideal der politischen Wiedergeburt: denn deren starker Hebel ist das turnerische Spiel. Ich Wollte kurz die Faktoren nennen, in welchen der nationale Gedanke heute lebt. Vertikal und horizontal schichten sich die Meinungen. Aber es ist ein Gedanke, der sie alle umspannt. Wen es zu den zweifelfreien Träumen der Kindheit zieht, den mag die Vielheit gegenüber der einstigen Einheit schrecken. Wer sich aber je am Zweifel emporrang, sieht in der Differenzierung das Leben. Denn in der Fülle offenbart sich die Kraft. ctr.

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