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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No 2/3 29 einem organisierten Zusammenschluß strebte die demokratische Fraktion. Die Forderungen, aus welchen sie erwuchs, waren das stärkere Durchsetzen der Bewegung mit demokratischen Prinzipien und die stärkere Betonung kultureller Gesichtspunkte. Daß die Fraktion nie recht zur Geltung kam, ist kein Schwächezeichen für ihr Programm, sondern ein Beweis, daß es in der Gesamtbewegung lebendig genug wirkt, um die Kuratel durch eine besondere Organisation unnötig zu machen. i Wesentlich anderen Motiven entsprang die zweite zionistische Sonderorganisation, der Misrachi. In ihm finden sich diejenigen Orthodoxen, welche ein Schutz- und Trutzbündnis zur Garantierung ihrer religiösen Anschauungen für notwendig halten. Nicht alle orthodoxen Zionisten schlössen sich ihm an und die Sympathie für den Misrachi ist bei allen ihm nicht Angehörenden nicht sehr groß. Man fürchtet eine Verletzung des von vornherein festgestellten Grundsatzes, religiöse Parteifragen in der zionistischen Bewegung picht zu legitimieren. Insofern die Orthodoxie das Recht der Persönlichkeit dem Recht einer supranatural fundierten Tradition unterordnet, abweichende Ansichten also wohl dulden, aber nicht ,als persönlich berechtigt anerkennen kann, lag die Furcht vor einer Störung des eine Lebensnotwendigkeit für den Zionismus bildenden Duldungsprinzips allerdings nahe. Wenn auch anzuerkennen ist, daß diese Gefahr fürs erste durch das bisherige Verhalten de» Misrachi gebannt zu sein scheint, so ist doch gerade deswegen, weil der Misrachi ein exklusiv zionistischer Verband und nicht, wie es bei einem religiösen Verbände das natürliche wäre, allen Orthodoxen geöffnet ist, die Gefahr einer Beeinflussung zu einseitiger Entwicklung der nationalen Bewegung nicht geschwunden. Alle diese Schattierungen traten, ohne zu verschwinden, neuerdings, völlig zurück hinter Gegensätzen, aus welchen sich eine für den Fortgang der Bewegung auf lange hinaus entscheidende Krisis zu entwickeln scheint. Das Ugandaprojekt rief sie hervor. Der Gegensatz der Ansichten wurde nicht größer als je zuvor; sondern führte zugleich auf beiden Seiten zu weitergehenden Spaltungen. Die Verfechter des Projekts leitet der Gedanke, daß die Besiede- "jn8" Ugandas nicht nur ein Mittel gegen die sich von Tag zu Tag im Osten steigernde Not des Augenblicks, sondern, da sie uns mit eigener Verwaltung koncediert ist, zugleich unserer Bewegung den starken Stützpunkt eines Staatswesens bieten könnte. Uganda stände späterhin zu Palästina, trotz der chronologischen hryersion, wie die Kolonie zum Mutterland. Und wenn die direkten Mittel versagen, wäre noch immer die Möglichkeit gegeben, sich durch die mächtige Triebkraft der englischen Orientpolitik zum Ziele führen zu lassen. Die Gegner fürchten den Umweg. Sie wollen das Auge nur auf Palästina gerichtet halten und bekämpfen, z. T. mit einer im Widerstreit der Meinungen früher nicht gekannten Leidenschaft, jede Erweiterung der Aktionsbasis.

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