Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 2/3 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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28 No. 2/3 Voraussetzung, daß die innere Geschlossenheit gewahrt bleibt, die Stärke ihrer spontanen Keim- und Triebkraft, die sich in ihrer Differenzierung äußert. Um dies für unseren Fall richtig zu verstehen, müssen wir innenhalb der nationalen Bewegung von vornherein zwei Richtungen von einander scheiden. Die eine bleibt bei dem Bekenntnis stehen, der anderen bedeutet es zugleich das Programm der politischen Praxis. Eine geschlossene Gruppe nichtpolitischer Nationalisten giebt es natürlicherweise nicht. Ihre Bedeutung für den Fortgang der Bewegung liegt in den einzelnen Personen. Ihre Zahl ist gering und verschwindet neben denen, welche aus dem nationalen Bekenntnis die nationale Forderung als politische folgern. Auch genetisch ist das Verhältnis dies, daß der nationale Gedanke sich überhaupt erst in der scharfgeschliffenen Form, in welcher er im Zionismus auftrat, die Bahn brach. Wie er der beherrschende Faktor der nationalen Bewegung ist, so treten ihre Kräfte und Strahlungen in ihm auch am deutlichsten in die Erscheinung. Es ist verkehrt, im politischen Programm allein das Wesen des Zionismus zu erblicken. Derselbe trägt vielmehr die Fundamente einer Lebensanschauung jn sich. Dem entspricht die Art, wie er in die Erscheinung tritt: in individuellerem Gepräge, als ein politisches Programm und demgemäß in stärkerer Differenzierung. Die Gegensätze, die sich zunächst herausschälten, waren allerdings nicht ideeller, sondern praktischer Natur. Zum Angelpunkt der zionistischen Aktion war die Erreichung1 öffentlich-rechtlicher Garantien für Palästina gemacht worden. Die rechtliche Sicherung des Landes und das Ziel der nationalen Wiedergeburt wurden zum Schibolet gegenüber der heutigen Kolonisationspraxis, deren Rechtsgrundlage die Laune eines Paschas und deren Ziel nur ein humanitäres und wirtschaftliches ist. Die neuen Gedanken fesselten und schreckten zugleich. Viele wollten das neue Ziel unter Beibehaltung des alten, durchaus nicht darauf hingerichteten Weges. Das Wort vom praktischen Zionismus fiel; ein neues Schibolet, das aber nach der Meinung der Gegner einer verfrühte»! Kolonisation nicht im Gegensatz zu „unpraktischer Zionismus" zu verstehen war, sondern im Gegensatz zu der kühnen Identifikation von Politik und Theorie. Der Widerstreit der Ansichten setzte recht heftig ein. Aber bereits der zweite Baseler Kongreß schaltete die sogenannten praktischen Zionisten als Faktor für den Fortgang der Bewegung aus. Neue Ideen rangen sich empor. Der Versuch, einige sozialistische und kommunistische Werte in Kurs zu bringen, kam über ein temperamentvolles Angebot nicht hinaus. Um so bemerkenswerter ist es, daß auch diese radikalen Anschauungen den Rahmen unserer Grundgedanken und Ziele nicht zu durchbrechen suchten. Das gilt freilich nicht für die in Rußland existierende sozialistische Arbeitergruppe der sog. „Bundisten". Ueber die Einzelvertretung abweichender Ansichten hinaus zu