Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 2/3 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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26 No. 2/0 wußtsein dem erreichten Erfolg und nimmt das eroberte Terrain in Besitz. So ist der Mut nur der einfache Ausdruck der wachsenden Kraft. Es fällt jetzt auch ein neues Licht auf die gewaltige Bedeutung grade des Turnens. Franz Oppenheimer stellt in seinem vortrefflichen Aufsatze „Sport", die verschiedenen Sportzweige als ziemlich gleichberechtigt neben einander. Im Sinne unserer Ausführungen erscheint das Bild etwas anders. Ich kenne keinen Sport, derso sehr Wiedas Turnen den Muterfordert, systematisch übt und entwickelt. Bei vielen Zweigen des Sports spielt der Mut überhaupt kaum eine Rolle, so beim Rudern, Radeln, Wandern, den Bewegungsspielen etc. Darin ist das Turnen allen weit überlegen; es kommen fast nur noch in Betracht Bergsteigen und Fechten, die sich aber nicht entfernt zu dieser Vielseitigkeit ausgestalten lassen. Zumal als Volkserziehungsmittel zur Hebung der gesamten Persönlichkeit ist das Turnen unerreicht und unersetzlich. Das war der geniale Griff, den die „Turnväter" taten. Bisher hat man viel zu sehr nur die Hebung der körperlichen Kraft betont. Die Hebung des Mutes, des Kraftbewußteeins, erscheint uns mindestens ebenso wichtig. Das ist auch der tiefste Sinn des Turnens für unser jüdisches Volk und seine moderne nationale Erziehung. Wir können alle die Schätze, die das Turnen noch mit sich führt, hier außer acht lassen, die Disziplin, die .Kameradschaft, die körperliche Kräftigung- Der entschlossene Wille, der Mut, das ist es, was wir nach zweitausend Jahren jammervollen Druckes vor allem brauchen. Unseres Volkes warten Aufgaben, schwer und groß, wie vielleicht keines anderen Volkes: Die Selbsterhaltung unseres Volkstums unter mörderischen Bedingungen, die Erhaltung für eine freiere Zukunft, die Wiedererringung nationaler Selbständigkeit. Wer mit diesen großen Gesichtspunkten an die jüdische Turnsache herangeht, dem wird keine Anstrengung zu groß, keine Arbeit zu kleinlich sein. Denn es gilt das Höchste: Durch Erziehung des Einzelnen zur Freiheit des Volkes, Die nationale Bewegung. i. Ein Freund riet mir lachend, lieber die Ueberschrift „der nationale Stillstand" zu wählen. Aber es gibt keinen Stillstand; was man so' nennt, ist in Wirklichkeit bereits ein Rückschritt, und ich würde vor dem krasseren Worte nicht zurückschrecken — hätte der Spötter recht. Wo standen wir einst und wo stehen wir heute? Es ist nicht nötig, ausführlich zu bemerken, daß die nationale Bewegung die Jahrtausende unserer historischen Existenz hindurch in ihrer Kontinuität nicht nur niemals unterbrochen wurde, sondern einem Drucke, welchem machtvollere Völker erlagen, die Kraft fand zu Lebensäußerungen, deren Kühnheit nur der Erfolg, die Erhaltung