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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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24 No. 2/8 Zentren aus, die immer und immer wieder zusammen arbeiten. Der Vorgang der Erregung ist damit ein wesentlich anderer und einfacherer geworden. Es wird nicht mehr jeder einzelne Muskel erregt, sondern ein bestimmter Reiz gibt dem ganzen Zentrum den Anlaß zur Auslösung einer ganzen zusammengesetzten Bewegung, die dann fast im Sinne einer unwillkürlichen, einer „Reflexbewegung" abläuft. , Ja, man kann in der Tat gradezu von „Willensreflexen" sprechen, die durch fortdauernde Uebung entstanden sind. Das glänzendste Beispiel hierfür bietet die so überaus komplizierte Bewegung des Gehens, die durch die Gewöhnung von Kindheit an vollständig zu einer solchen Reflexbewegung geworden ist, sodaß wir ohne die geringste merkbare Willensleistung, ohne uns überhaupt der Bewegung bewußt zu werden, sie ausführen können, gleichzeitig mit irgend welchen anderen Tätigkeiten. Im Gehirn endlich gehen weittragende Veränderungen durch die Uebung allmählich vor sich. Vom Gehirn gehen ja die Bewegungsreize aus, zuerst ungeordnet, nach und nach immer fester in bestimmten Reihen aneinandergefügt. Es ist, als ob ein Kampf ums Dasein zwischen den Bewegungsimpulsen stattfindet: Die unzweckmäßigen, das Ganze der Bewegung hindernden finden draußen in den arbeitenden Muskeln soviel Widerstände, daß sie gar nicht recht zur Einübung gelangen; während die zweckmäßigen sich immer ungezwungener ineinanderketten. Läuft der Vorgang oft in dieser Weise ab, so schließt sich der Ring der gewohnten Assoziationen so fest, daß Hemmungsvorstellungen gar nicht mehr in ihn eindringen können. Das ist dann so, wie wenn wir ganz ohne Ueberlegung ein Gedicht aus unserer Kindheit aufsagen, dessen Worte zum eisernen Bestände unseres Gedächtnisses gehören. Ich möchte diese Entwicklung als die „mechanische Uebung" des Gehirns bezeichnen. Gleichzeitig hiermit aber spielt sich ein Geschehen ab, das mir noch viel bedeutungsvoller erscheint, weil es weiter ausgreift, obwohl es von der „mechanischen Uebung" des Gehirns kaum zu trennen ist. Wir gewöhnen uns nämlich ganz allgemein daran, die Zielvorstellung zu betonen, Ueberflüssiges und Hinderliches dagegen auszuschalten. Nach tausendfältiger Uebung im einzelnen gewinnen wir die allgemeine Fälligkeit, auch da, wo eine spezielle Einübung noch nicht vorliegt, zielbewußt und „mutig" an neue Aufgaben heranzugehen. Wir lernen eben zu denken ohne Hemmungsvorstellungen. — Das möchte ich „psychische Uebung" nennen. — Sie schafft allmählich einen Dauerzustand unserer Seele, den wir dann als Mut bezeichnen. Wie wir „geschickt" den nennen, der nicht nur ein paar Handgriffe sich zu eigen gemacht hat, sondern Herr des Spieles seiner Muskulatur ist, so nennen wir den „mutig", der immer rasch, zielbewußt, entschlossen an Dinge herangeht, die unleugbar Schwierigkeiten bieten. — Wie ist's denn bei der Logik? Auch die wird langsam erzogen, schließlich aber ist das Ergebnis das „logische Denken". — Wie ist's denn bei der

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