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Jüdische Turnzeitung · 1905-02-01 · 2/3 (2.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
2/3 (2.1905)
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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lieh charakteristisch ist es, daß gar nicht selten ein Turner bei schwierigen Uebungen und guter Hilfe die Augen schließt, um auf diese Weise störende und ängstigende Oesichtseindrücke gewaltsam zu bannen. Ein ganzes Heer anderer Gelegenheiten noch schafft den Mut zum ersten Wagnis: Der Ehrgeiz vor einem Wert- oder Schauturnen, den ich um keinen Preis missen möchte, das Beispiel eines guten Turners, der friedliche Wetteifer guter Freunde, kurz all das, was einer rührigen Turngemeinschaft ihr lebendiges Gepräge gibt. Mit dem ersten, einmaligen Wagnis ist dem Mute der neue Boden erschlossen; nun muß er urbar gemacht und bebaut werden. Die Vorgänge, die hierher gehören, faßt man unter dem gemeinsamen Namen der Uebung zusammen. So sehr man den ungeheuren Wert der Uebung für körperliche Leistungen zu würdigen versteht, so wenig ist bisher ihr Einfluß auf höhere seelische Leistungen beachtet worden. Und doch hängt beides durch eine ununterbrochene Kette von Vorgängen mit einander zusammen. Jedem Kinde bekannt ist die Wirkung turnerischer Uebung auf "'e einzelnen Muskeln. Es kommt dabei viel weniger auf die einmalige große Kraftanstrengung als auf die regelmäßig wiederholte j^eanfpruchung an. Gleichzeitig aber mit dem Wachstum und der Kräftigung des einzelnen Muskels vollzieht sich im Lauf der Zeit ein zweiter bedeutsamer Vorgang: Zu jeder, auch der einfachsten Uebung bedarf es der Zusammenordnung einer ganzen Reihe v°n Muskeln. Zuerst wird es dem ungeschulten Willen recht sauer, ^°ik k'er unc* ^a widerstrebenden Arbeiter in ein und daselbe Joch zu zwingen. Nicht nur weil das Fleisch schwach ist, wird eirn Turnen der Anfang so schwer; auch der Wille bedarf einer außerordentlichen Anspannung, um zum Ziele zu gelangen. Er ist geradezu sich selbst im Wege, denn der Willensreiz fließt, so lange?pcn kein festes Bett für ihn da ist, nebenher auch zahlreichen Muskeln zu, die den angestrebten Erfoig nicht fördern, sondern 't genug hemmen. So kommen die störenden, zappelnden, komicnen Mitbewegungen des Anfängers zu stände. Bald aber kommt Ordnung in das Chaos. Je häufiger der ervenstrom denselben Weg nimmt, umso besser gebahnt findet AK . vor' um so s'cnerer vermeidet er jeden Umweg, jede zweigung. Endlich wird die gewollte zusammengesetzte Bewe- «"ng rein ausgeführt, sie trägt den Stempel des Zweckmäßigen: "er höchste Effekt wird mit der geringsten Kraft erreicht. — Jetzt ""d uns auch die Uebung viel leichter, und nicht nur, weil wir ".^^tonäßige Bewegungen unterlassen, sondern auch, weil die Ü* C Ampannung zur Erzielung der Bewegung inzwischen erhebnf""8?1" Sewonletl ist- , Denn im Rückenmark, durch das alle Willensbahnen vom Gefun" 211 den Muskeln hindurchziehen, wo sie alle ihre Verknüpknü fUnd Umscha,tung erfahren, bilden sich allmählich feste Verpfungen und Zusammenordnungen von Bahnen und Bewegungs-

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