Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 2/3 (2.1905)
- Date
- 1905-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2, 3 mäßige bezeichnet werden. Alles übrige wird unterdrückt, denn es wirkt störend auf das regelrechte Denken. Besonders bei dem, was wir „Entschluß" nennen, bei der Einleitung einer Willenshandlung, sind diese unterdrückten Vorstellungen, die Hemmungsvorstellungen, sehr zahlreich. Für gewöhnlich freilich bleiben sie unter der Schwelle des Bewußtseins, so rasch und leise laufen sie ab, und nur die siegende Vorstellung behauptet sich. Werden sie aber stärker, so erhalten wir — um nur vom Mute zu sprechen — die Stufenleiter: Zaudern, Unentschlossenheit, Bangen, Feigheit. In Zuständen nun, in denen das beherrschende Bewußtsein ausgeschaltet ist, wie vor allem im Traum, treten auch schwache Hemmungsvorstellungen deutlich hervor und erzeugen ebensogut traumhafte Handlungen, wie im wachen Zustande die Endvorstellungen, die Entschlüsse. So ist der Traum hier ein vergrößernder Spiegel des wachen Bewußtseins, in dem wir sehen, was wir tun würden, wenn nicht stärkere Vorstellungen siegen würden. Nebenbei bemerkt verhält es sich ganz ähnlich mit moralischen Vorstellungen, der Traum verrät uns so Heimlichkeiten unserer Seele. Die Betonung einer Endvorstellung mit Ueberwindung hemmender Zwischenglieder nennen wir Willen, den Seelenzustand, der die Ueberwindung leicht macht, Mut. Bei der Erziehung zum Mute kommt es also darauf an, diesen dauernden Seelenzustand zu schaffen, der die Ueberwindung hemmender Vorstellungen im Einzelfall zuverlässig erwarten läßt. Das kann nun auf verschiedenen Wegen geschehen, die nicht jeder für sich, sondern nebeneinander zu begehen sind. Von hoher Wichtigkeit ist zunächst die künstliche einmalige Ausschaltungder Widerstände zur Erzielung einer bisher nicht erreichten Leistung. Die Tragweite eines solchen Kunstgriffes kann gar nicht überschätzt werden. In dem Augenblick, wo mir eine Leistung einmai gelungen ist, an die ich mich bisher nicht gewagt habe, finde ich in mir eine völlig veränderte seelische Situation vor: Mögen alle Zaudergedanken vorhanden sein wie früher, zwischen sie schiebt sich als Keil das Moment der Hoffnung und Zuversicht, das von Mal zu Mal wächst. Und mit derselben mathematischen Strenge wie in der Welt der Körper gilt das Oesetz von Last und Kraft auch in der Seelenwelt; die Last siegt nur solange und nicht einen Augenblick länger, als bis die Kraft zu einer ganz bestimmten Größe herangewachsen ist. Dann siegt die Kraft. ' Diesen einmaligen, vorläufigen Sieg über die seelischen Widerstände herbeizuführen, das ist das eigentliche Oebiet und der Triumpt des Vorturners. Dazu gehört aber mehr als Körperkraft oder technische Ausbildung, der Vorturner muß verstehen, sich Vertrauen zu erwerben. Ein schwerer Bocksprung wird mir vielleicht erst dann zum erstenmal gelingen, wenn ich weiß, daß zwei wackere Burschen, zu denen ich Freundschaft und Zutrauen empfinde, dabeistehen und mich auffangen, auch wenn ich kopfvoran stürze. Außerordent-