Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 1 (1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965221--1212-4924079- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 No. 1 unseren Leitartikel im Oktober?Novemberheft Herr Dr. Blenke aus Hamm i. W. gegen unsere Bestrebungen wendet. Wir registrieren den unter dem Titel „Die Jüdische Turnerschaft" erschienenen Aufsatz wegen Zeitmangels zunächst ohne jeden Kommentar, werden aber später auf die im folgenden wieder^ gegebene Polemik zurückkommen. Herr Dr. Blenke schreibt: „Der Kreisturntag des Kreises VHIb hat vor einiger Zeit infolge einer in Köln zu Gunsten jüdischer Turnvereine eingeleiteten Agitation folgenden Beschluß gefaßt: „Der Kreisturntag verurteilt entschieden das Auftreten, der Agitatoren der jüdischen Turnvereine, weil in den deut* sehen Turnvereinen den jüdischen Mitgliedern dasselbe Maß von Vertruean und Achtung. wie den Angehörigen der anderen Konfessionen entgegengebracht wird." Die „Jüdische Tumzeitung" wendet sich nun in Ihren Nummern 10 und 11 gegen diesen Beschluß und betont, daß er a«S einer völligen Verkennung der Zwecke der „Jüdischen Turnerschaft" her* vorgegangen sei, und daß der Kreistag über diese Ziele nicht genügend unterrichtet gewesen sei. Damit hat die jüdische Turnzeitung allerdings vollständig recht, die Deutsche Turnerschaft, ist über diese Ziele in der Tat noch zu wenig unterrichtet; freilich, wäre sie es gewesen, so wärff jener Beschluß des Kreisturntages gewiß noch viel schärfer ausgefallen. Es verlohnt sich nämlich, den Zweck der jüdischen Turnerschaft einmal etwas näher ins Auge zu fassen. Der Kreisturntag ist augenscheinlich von der Voraussetzung atl»* gegangen, die jüdischen Turner suchten sich deshalb von uns zu trennen, weil sie mit ihrer Stellung innerhalb unsrer Vereine nicht zufrieden seien; er weist deshalb besonders darauf hin, daß den jüdischen Turnern das gleiche Maß von Achtung entgegengebracht werde, wie den Angehörigen anderer Konfessionen. Damit hat also der Kreisturntag die ifidiscBett Turnvereine ungefähr auf dieselbe Stufe gestellt, wie die rein katholischen Turnvereine, die sich ja auch leider schon zahlreich gebildet haben; der Kreisturntag betont, daß jeder Konfession in der Deutschen Turnerschaft die gleiche Achtung entgegengebracht werde. In diesem Punkte hat nun der Kreisturntag allerdings vollständig recht: Von konfessionellen Sfrel* tigkeiten ist gottlob in der Deutschen Turnerschaft' noch nie die Red* resen; auch antisemitische Strömungen — mögen sie auch hier und mfgetreten sein — sind niemals bei um durchgedrungen. Eine jede Persönlichkeit kann sich bei uns Achtung verschaffen; jeder wird so behandelt, wie er es verdient. Die einzige Oesinnung, die wir von unsrem Turner schlechterdings verlangen müssen, ist die nationale Oesinnung. Aber hier liegt gerade — w'ie man zu sagen pflegt — der Hase te* Pfeffer. Die Auffassung der jüdischen Turnerschaft als einer besonderen konfessionell gefärbten Vereinigung ist eben falsch, ihre Oleichstellung mit den katholischen Turnvereinen ist nicht richtig. Die jüdischen Turn? vereine wollen — das haben sie selbst aufs schärfste betont — nicht *•* konfessionelle, sondern als nationale Vereinigung aufgefaßt werden, a» nationale freilich nicht im deutschen Sinne, sondern im jüdischen Bio«- Sie bezwecken die Erstarkung der jüdischen Nation; ihr Zweck ist also ein politischer. Zunächst muß man sich den vollständigen Bruch mit den Traditionen der vergangenen Jahrhunderte klar machen, der in diesem Vor* gehen liegt. . Bisher war doch die überwiegende Anzahl unserer jüdischen Mitbürger der Ansicht, daß der nun schon so viele Jahrhunderte dauern°* Aufenthalt in unserem Lande sie zu wirklichen Deutschen gemacht habe und daß ihre Bestrebungen darauf gerichtet sein müßten, sich innernain dieses Verbandes diejenige Achtung zu erwerben — unbeschadet ihrer religiösen Anschauungen — auf die jeder Bürger desselben Staates Anspruch machen kann. Mit dieser Anschauung hat die jüdische Turnerschaft vollständig gebrochen, sie behauptet, das Dasein einer #jdj*eöen Nation innerhalb der deutschen, mit ihren eignen Rechten und PfBöMen, sie sucht unter ihren Glaubensgenossen Propaganda zu machen für diese politische Idee, wobei sie freilich — wie sie selbst zugesteht — mcItMwI auf Widerspruch stößt; kurz, sie ist eine politische Vereinigung: Danacn