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Jüdische Turnzeitung · 1905-01-01 · 1 (1.1905) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
1 (1.1905)
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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No. 1 17 Die Weichlichkeit muss aufhören, mit der man sich bemüht seinen Kindern jeden Schmerz zu ersparen. Nichts kann verkehrter sein! Denn ich kann durch keine Vorsicht erreichen, dass meine Kinder sich nicht wehe tun: wohl aber kann ich erreichen, dass ihnen der Schmerz keinen grossen Kummer macht. Man kann ganz ohne Zweifel durch eine geeignete — „spartanische1* — Erziehung die Reizschwelle für den Schmerz höher — und die Reizhöhe tiefer legen als es üblich ist, d. h. man kann erreichen, dass kleine Verletzungen gar nicht, und starke Verletzungen nur bis zu einer gewissen massigen Heftigkeit als Schmerz empfunden werden. Darum ist das beste Mitleid mit Kindern die Härte! Und die Angst muss aufhören. Wenn meine Jungens an unbehaglichen Stellen klettern, dann muss ich zuweilen die Zähne zusammenbeissen, um sie nicht herabzuholen. Aber ich sage mir, dass ich sie jedenfalls verkrüppele, wenn ich ihren angeborenen physischen Mut durch meine Aengstlicnkeit in Feigheit verwandle, und dass ich sie im späteren Leben, wenn mein Auge sie nicht mehr behütet, tausend schrecklichen Gefahren aussetze, denen sie dann wehrlos gegenüber stehen werden, weil sie ungewandt, schwach und erschreckt sind. Und gegenüber diesem sicheren Unglück nehme ich die kleine Chance auf mich, dass ein unglücklicher Fall sie vielleicht zu dauerndem Schaden bringen könnte. Mir erscheint ein gebrochener Ann noch längst nicht so arg, wie ein gebrochener Mut und ein gebrochenes Leben! Diese Erkenntnis muss Allgemeingut unserer Zeit werden. Denn wir gehen einer grossen Erfüllung der Menschheit entgegen. In wachsenden Wogen schwillt der Riesenstrom des Reichtums über sein altes Ufer: des Aristoteles Wort hat sich erfüllt; das Schiffchen fliegt ohne Weber, und der Pflug zieht seine Furchen ohne Stier! Die Sklavenperiode der Menschheit neigt sich zur Rüste, die Morgenröte der freien Menschlichkeit steigt empor. Bald w*rd Zeit genug für Alle sein, um das Leben zu leben, das des Königs der Erde würdig ist. Wir haben dafür Sorge zu tragen, dass der grosse Moment kein schlechtes Geschlecht «nde. Dazu gehört die Erziehung zur Klarheit und Kraft, «rziehung des Geistes und des Leibes. Ein Geschlecht «ätttnen wir von germanischer Kraft und hellenischer Anmut. Solche Menschen sollen wir erziehend formen nach dem ßüde unseres Ideals. —' Die Stellung der »»Deutschen" zur „Jüdischen" Turnerschaft. Kurz vor Redaktionsschluß geht uns die neueste Nummer «*f »Deutschen Turnzeitung" zu, in der sich im Anschluß an

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