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Jüdische Turnzeitung · 1905-01-01 · 1 (1.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
1 (1.1905)
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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16 No. 1 Ihr aber, die ihr als Eltern Wächter seid junger Leiber und junger Seelen, lernt, was Eure Pflicht ist. Es ist eine schlechte Erziehung, die ausschliesslich auf die Gehiro- Hochzucht hinarbeitet. Wie die Hochkultur eines ganzen Volkes nur kraftvoll und dauerhaft sein kann auf der Grundlage einer gesunden Wirtschaft, so ist auch die individuelle Hochkultur nur möglich auf der materiellen Grundr läge eines allseitig geübten und gestählten Körpers, eines kraftvollen Willens. Mens sana nonnisi in corpore sanp! Wir sollen unsere Kinder so erziehen, dass ihnen ihr Leben möglichst viel Glücks- und möglichst wenig Unglücksmomente bringe. Zu dem Zwecke müssen sie unter anderem auch für einen bürgerlichen Beruf erzogen werden. Es ist ein Mittel! Aber heute handelt man meist so, als sei der Beruf der Zweck des Lebens. Man stiehlt den arm»a Kleinen ihre Tugendglücksjahre, verdirbt ihren Körper, verschüttet die Quellen des reinen naiven Glücksgefühls, zuweilen für immer, nur in dem törichten Glauben, sie durch die einseitige Verstandesausbildung besonders berufstüchtig zu machen, damit sie als Erwachsene mit Wucherzinsen ihre Sparkapitalien ungenossenen Glücks verzehren könne». Und man erreicht in der Mehrzahl der Fälle nichts anderes, als Fälschung des glücklichen Instinktes, der den gesunden und harmonisch entfalteten Menschen zur rechten Berufswahl leitet; ia, selbst da, wo der adäquate, daher Instvollste Beruf gewählt wurde, wird noch überhäufig dieses grösste Glück des Menschen vernichtet durch die Verkümmerung seines leiblichen und gemütlichen Lebens durch die Einseitigkeit seiner Erziehung. Hier liegen im Augenblicke die wichtigsten Aufgaben des Erziehers. Und namentlich der Grossstädter hat hier eine heilige Pflicht zu erfüllen. Seine Kinder sind durch eine unnatürliche Entwicklung des Gemeinlebens von dem Urqtieö aller Gesundheit, Kraft und Freude, der freien Natur, abgesperrt, die den Dörfler und Kleinstädter heute noch mütterlich an ihre Brust nimmt; seine Kinder haben *<J einem erschreckend grossen Bruchteile schon von Eltern und Grosseltern die neurasthenische Anlage, die grosse Reifbarkeit und ebenso grosse Ermüdbarkeit des Nervensystem* als böse Erbschaft mit auf den Weg bekommen. Wen» nicht hier die Erziehung mit voller Energie das Gegengewicht in einer Ausbildung des Muskelsystems und des aiunwüscfces Willens schafft, dann muss die .kulturtragende Schicht üoer kurz oder lang in sich zusammenbrechen und den robuste» Trägern der Unkultur, den naturgesäugten Junkern des Plattiandes, wieder zur Beute fallen. Es kann fürwahr gar nichts schaden, wenn diese Seite der Erziehung jetzt einmal auch übermässig betont wird. , Um solche Erziehung durchzusetzen, dazu S£&ör* allerdings eine vorbereitende Selbsterziehung der Elteni.

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