Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 1 (1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 15 Arbeitsfähigkeit beträchtlich erhöht. Die klugen Fabrikanten haben es schon lange begriffen, dass ein Arbeiter in achtstündiger Arbeitszeit mehr leistet, als in siebzehnsttindiger, weil er ausgeruht und gekräftigt beginnt und nicht stundenlang übermüdet vegetiert. Und die klugen Engländer, die diese "Weisheit der Fäbrikpolitik zuerst eingesehen haben, haben 'denn auch daraus die Konsequenz auf den „Leibeigenen" gezogen, der ihrem Willen dauernd und unentrinnbar streikfrei unterstellt ist, nämlich den eigenen Leib. Sie haben begriffen, dass auch diese Maschinerie, genau so gut wie die der bezählten „Hand" im Grossbetriebe, eine gewisse Grenze der Leistungsfähigkeit hat, über welche hinaus keine Ausdehnung der Arbeitszeit eine Steigerung erzielt. Und darum führt der Brite, auch der oberen Klassen, für sich die achtstündige Arbeitszeit auch ohne Fabrikgesetz durch und gönnt seinem Körper in de* Zwischenzeit Ruhe und sportliche Uebung. Das muss der Durchschnittsdeutsche erst noch lernen! Jedenfalls können wir behaupten, dass wir nach zweistündiger Uebung in den folgenden drei Stunden mindestens so viel leisten, als wenn wir sechs Stunden hintereinander geschanzt hätten. Macht eine Stunde Reingewinn! Es ist wunderbar, init welcher Präzision die Gehirnmaschinerie nach der kurzen Ruhe wieder funktioniert; oder vielmehr es ist nicht wunderbar, denn wir1 wissen ja jetzt, dass alle die tausend Rädchen und Kämme repariert und geputzt und der ganze Mechanismus frisch geölt worden ist. Wer also behauptet, er habe keine Zeit zum Sport, der deckt entweder ein Mäntelchen über seine Faulheit, oder er rechnet wie jener Schildbürger, dem die bekannte Scherzfrage vorgelegt wurde: „Auf einem Dache sitzen zehn. Spatzen; ich schiesse einen herunter, wieviel bleiben sitzen?" Der Brave erwidert: „Neun". — Gerade ebenso geistreich ist es, wenn unser zeitloser Zeitgenosse uns klagt, er brauche zwölf Stunden zur Arbeit, acht Stunden zum Schlafen und vier Stunden für seine Mahlzeiten etc., habe also keine Zeit für einen Sport. Er soll eben dem Leibe Reben, was des Leibes ist, dann wird er in achtstündiger Arbeit mehr leisten als zuvor in jwölfstündiger. _ Und so können wir denjenigen, die bereits eigene Herren ihres Schicksals sind, zurufen: JÖehet hin und tuet desgleichen!" Suchet redlich, bis ihr eine Körperübung findet, die eure Seele freut, weil sie eurem Körper adäquat ist! Und wenn ihr zu den sonderlichen Käuzen gehört, denen nichts grössere Wonne ist als Bäume zu *fallen und Holz zu spalten, so schämt euch nicht und braucht Säge, Keile und Axt unverdrossen. Das hat den jrfand old man «ladstone bis ins Patriarchenalter jung und rüstig gehalten Und ist eine ganz prachtvolle Betätigung.