Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 1 (1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 18 erzieht, die den besten Teil des physischen Mutes ausmacht, jene Ruhe, die nie einen Augenblick zu spät, aber auch keinen Augenblick zu früh mit der Parade auf den Angriff antwortet. Hierin hat das Fechten eine grosse Aehnlichkeit mit dem Nationalsport der Angtosachsen, dem in Deutschland so übel berüchtigten Boxen. Wir müssen gestehen, dass er einen Teil dieses Übeln Rufes verdient Es führt entschieden eine Tendenz zur Verrohung mit sich. Trotzdem möchten wir es nicht ganz verworfen sehen. Friedrich Vischer sagt: „Durch das Leben sich durchzuschlagen will's ein Stück Roheit," und wir glauben sagen zu dürfen, dass der nackte physische Mut, der Bulldoggenmut, durch nichts anderes so ausgebildet werden kann, als durch die Uebung des Faustkampfes. Wo einem zum Junglinge heranwachsenden Knaben dieser physische Mut in einem beklagenswerten Masse fehlt, namentlich auch bei nypersensitiven Menschen, die nicht zuzuschlagen wagen, weil ihnen das Leid des Gegners ein zu starkes „Mitleid, einflösset, halten wir einige Boxerübung für ein ausgezeichnetes pädagogisches Mittel. Wir sind zweifelhaft, ob die Briten nicht einen bedeutenden Teil ihrer nationalen Unabhängigkeit und ihres Freiheitssinnes diesem rohen Sport verdanken. Und solange noch nicht alle Menschen gelernt haben, im Nächsten den Gleichberechtigten zu ehren, ist em „Stück Roheit" und draufgängerischer physischer Mut wahrscheinlich ein unentbehrliches Uebel. Vom Schwimmen und Schlittschuhläufen sprechen wir nicht, weil sie sich glücklicherweise heutzutage von selbst verstehen. Sie sind ein Bestandteil unserer nationalen Erziehung geworden, mindestens in den Mittelklassen, und es ist zu wünschen, dass die Kommunen sich immer und n^ehr der Pflicht bewusst werden, auch für die Kinder des Proletariats ausreichende Gelegenheit für diese beiden schlechthin unentbehrlichen Körperübungen zu schaffen. Es ist unmöglich, die täglich siqh vermehrenden Abarten des Sports alle aufzuzählen und zu würdigen. Viele können wir hier gänzlich übergehen, weil sie das Privileg einer ausserordentlich schmalen Schicht sind, der ohnehin der kport nicht mehr empfohlen zu werden braucht. Im Gegenteil! Denn hier scheint offenbar das bewusste Bestreben zu walten, gehirnlose Muskelathleten heranzubilden. Zu diesem Sport der Upper tens gehört das Reiten, das an sich unmittelbar neben das Wandern und über das Radeln zu rangieren wäre, weil es fast so allseitig den Körper beansprucht, und fast dieselbe Bewegungsfreiheit gewährt, wie das Wandern, aber mit dem Radeln die erhöhte Geschwindigkeit gemeinsam bat und nebenher den Lustreiz der Herrschaft Über ein edles Geschöpf besitzt. Perner die Jagd, die dem Wandern äusserst nahe steht, namentlich die Gebirgsjagd, die einen sehr starken physi-