Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1905-01-01 · 1 (1.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
1 (1.1905)
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4921092-5965098-5965221--1203-4924070
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 1 9 Freude siegreich überwundener Schwierigkeiten gesellt, so ist es leicht verständlich, dass kein Sport so gewaltige und so schnelle Heilwirkungen erzielt, als das "Wandern, namentlich in den Alpen, Aber nur wenige Menschen haben die Zeit und die Geldmittel, um diesen kräftigsten Trank aus der Sportsapotheke in genügendem Masse aufzunehmen. Was ist diesen zu raten? Um es gleich zu sagen, das blosse Spazierengehen ist kein Ersatz des Wanderns. Für den Gesunden mag es als Erholung ausreichen, für den geschwächten aber ist die Bewegung längst nicht mehr energisch genug und vor allem fehlt die Ablenkung von den Sorgen des täglichen Geschäfts schon deshalb, weü die Bewegung nicht kräftig genug ist, dem Gehirn nicht Blut genug entzieht. Weit bessere Ersatzmittel des Wanderns sind schon Rudern und Radeln. Sie vereinigen mit ihm den ungeheueren Vorzug der Betätigung in frischer Luft; aber beide beschäftigen doch nicht entfernt so sehr die gesamte Muskulatur wie das Wandern. Das Rudern auf dem Gleitsitz ist ja unter diesem Gesichtspunkt der alten Rudermethode mit festem Sitz weit vorzuziehen; es beschäftigt den grössten Teil der Körpermuskulatur; aber es bleibt doch hier wie dort bei der sitzenden oder hockenden Stellung, die dem Menschen eigentlich von allen Lagen die wenigst natürliche ist. Nichtsdestoweniger soll dem Rudersport, dort wo er möglich ist, das höchste Lob nicht vorenthalten werden; und namentlich gegen die bei den Grossstädtern so häufige, teils ererbte, teils erworbene Schwäche der Rückenmuskulatur kommt das Rudern geradezu als spezielle Indikation in Betracht. Aber es hat doch den grossen Nachteil, nur einem kleinen Bruchteil der Bevölkerung, die zufällig an einem "schiffbaren Gewässer wohnt, zugänglich zu sein; und selbst da werden viele Menschen bald die Lust verlieren, immer und ewig zwischen denselben Fabriken, Speichern etc. dahin zu fahren. Dazu gehört eine „Passion/ die verhältnismässig selten ist; und dafür ist ein Beweis, dass kaum in einem anderen Sportkreise ein so grosser Prozentsatz der Ausübenden auf unmittelbare Gipfelleistungen, auf Rennsiege, hinzielt, wie gerade hier. Das Radeln steht in einigen Beziehungen hinter dem Rudern zurück und tibertrifft es in einigen anderen. Sein hauptsächlichster Fehler ist, dass es nur einige, zwar mächtige, aber doch nur wenige Muskelgruppen anspannt, während die übrigen brachgelegt sind. Es sind fast nur die Beuger und Strecker des Schenkels, die in Tätigkeit gesetzt werden, an den Armen nur in ganz unbedeutendem Masse die Streckmuskulatur, während Rücken und Rumpf nur in sehr geringfügigem Masse zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts angespannt werden. Das ist ein schwerer Nachteil und führt zu einer gewissen Steifigkeit und Ungelenkheit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.