Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 1 (1.1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 No. 1 uns alle bändigt, möglichst frei zu machen suchen, nur wenn wir mit unserem idealen Streben den Wunsch nach Einigkeit und Sachlichkeit verbinden, nur dann wird uns ein schöner Sieg winken! < Sport.*) Von Franz Oppenheimer. (Schiusa.) Aber welcher Sport? Nun, .da ist es fast unmöglich, einen bestimmten Rat zu geben. Grundsätzlich derjenige, der am meisten Lust erweckt; denn kraft des Zusammenhanges zwischen Geist und Körper ist die lustvolle Bewegung diejenige, an die der Körper am meisten angepasst ist und die ihm darum auch am meisten nützt. Wo aber eine bestimmte Vorliebe nicht existiert, wo namentlich eine bestimmte „Passion" noch nicht erwacht ist, da wird der Ratgeber auch nicht grundsatzlich einen Sport, etwa seinen eigenen Lieblingssport empfehlen dürfen, sondern er wird scharf individualisiren müssen nach den Verhältnissen des um Rat fragenden. Und zwar kommet! hier die äusseren Verhältnisse des Vermögens und Milieus mindestens ebenso sehr in Frage, wie die gesundheitlichen Verhältnisse. Es hätte offenkundig keinen Zweck, einem armen Teufel den Reitsport zu empfehlen: der Grossstädter* in sein staubiges und heisses Häusermeer eingeschlossen, wird voraussichtlich .andere Dericits zu decken haben als de* Kleinstädter oder Landbewohner, und "danach hat man seine Ratschläge einzurichten. Aber es lassen sich immerhin, einige alllgemeine Prinzipien aufstellen. Der dem Menschen natürlichste Sport ist zweifellos das Wandern. Er bedarf dazu keines anderen Instruments als des ihm angeborenen Lokomotionsorgans, und es erfüllt alle Anforderungen, die an eine gesundende Bewegung gestellt werden müssen, im höchsten Masse. Rein physiologisch betrachtet, beschäftigt es den allergrössten Teil der Körpermuskulatur, namentlich diejenige des Nackens, des Rückens und der Beine, in kräftigstem Masse und durchaus in einem Tempo, das der natürlichen Organisation angemessen ist Ist doch der Wanderschritt genau gleich dem Pendelausschlag des Schenkels. Dazu kommt von der psychologischen Seite her, däss das eigentliche Wandern nur erfolgen kann, wenn der Mensch sich für längere oder kürzere Zeit vom Berufe and seinen Sorgen frei gemacht hat. Die Freude, Neues zu sehen, für den Grossstädter auch die Seligkeit, unverdorbene Luft zu atmen und von ungebrochenem Licht durchstrahlt zu werden, kommt dazu; und wenn sich dann, wie un eigentlichen Hochgebirge, zu dem der gewaltige ästhetische und ethische Eindruck einer majestätischen Natur und die ~ *) Den neu hinzutretenden Abonnenten wird auf Wunsch der die bisherigen Ausführungen enthaltende Separatabdruck des Oppenheimer »cnen Aufsatzes zugestellt. Die Redaktion.