Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 12 (12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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•m No. 12 nun liegen wird, eine Stätte echten jüdisch-turnerischen Lebens zu schaffen, wenn anders nicht der Gedanke auf Errichtung eines eigenen Vereins nun doch wieder auftauchen und zur Ausführung gelangen soll. In Kaiserslautern hielt ich am 21. September einen Vortrag über unsere Bewegung im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur. Ich hatte, von zionistischer Seite schon im voraus ausreichend über die dortige Judenheit orientiert, von vornherein nicht die Hoffnung mitgebracht, dort einen Verein ins Leben zu rufen. Mir lag vor allem daran, wenigstens ein theoretisches Interesse für unsere Sache zu erwecken, wennschon ich es für nicht gänzlich ausgeschlossen hielt, dass die Lethargie eines Teils der Kaiserslauterner doch noch zu verscheuchen sein würde. Es hat denn auch tatsächlich seitens der zahlreich erschienenen Damen eine Einzeichnung in die Liste eines neu zu gründenden Damenturnvereins stattgefunden, aber der Plan ist, nach einer mir später gewordenen Mitteilung leider wieder in's Wasser gefallen. Wie weit entfernt wir uns von dem erstrebten Ziele, die Judenheit für ihre physische Kräftigung allenthalben zu gewinnen, noch heute befinden, das habe ich so recht an dem Abend, den ich in Kaiserslautern verbrachte, erfahren. — Ueber den in Köln gehaltenen Vortrag ist bereits von anderer Seite im vorigen Hefte ausführlich berichtet worden. Ein weiteres Eingehen auf diesen Vortragsabend erübrigt sich daher. Nur zweierlei möchte ich hier noch hervorheben: meinen wärmsten Dank für die überaus freundliche Aufnahme, die ich im Kreise unserer Turnbrüder in Köln gefunden habe, und die mich den Wert wahrer Gesinnungsgenossenschaft schätzen lehrte, und sodann die turnerischen Eindrücke, die ich von einem Besuch auf dem Turnsaal des Kölner Vereins empfing. Was die letzteren insbesondere anlangt, so darf ich wohl sagen, dass es ein lebensvolles, frisches Bild war, das sich dort vor meinen Augen entrollte, und das den schon in Basel gelieferten Nachweis der Turntüchtigkeit unserer Kölner Freunde von neuem erbracht hat. Dass neben zahlreichen geübten Turnern sich eine grosse Anzahl weniger guter Turner mit frohem Eifer um die Turnkunst bemühten, kann bei der Zusammensetzung des Vereins, dem ca. 90% Anfänger angehören, wahrlich nicht Wunder nehmen. Der Leitung des Turnwarts Meyer aber macht es alle Ehre, diese turnerisch heterogenen Elemente dauernd zusammen zu halten und vorwärts zu bringen. Mein letztes Ziel war Aachen. In Aachen existiert ein von den Logen in's Leben gerufener jüdischer Jugendverein, an dessen Spitze eine leihe der angesehensten Mariner der Gemeinde steht, und