Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 12 (12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 22» Abstand nahm. Wenn auch die Aussichten unserer Bewegung in Mannheim z. Z. besonders ungünstig sind, so glaube ich doch, dass in einigen Jahren auch dort die Zeit für uns gekommen sein wird, zumal zwei Fragen, die von grosser Bedeutung für die gedeihliche Entwicklung unserer jüdischen Turnvereine zu sein pflegen, hier von vornherein gelöst sind: es existiert in Mannheim in den Führern der zionistischen Ortsgruppe eine vortreffliche Vereinsleitung, und ferner: der Turnverein würde eine „gesicherte Heimstätte'' in der zur orthopädischen Anstalt des Herrn Dr. Cahen gehörigen schönen Turnhalle besitzen — ein von manchen Vereinen beneidetes Los! Was in Mannheim fehlt, das sind nur die — jungen Turner. Frankfurt a. M. Die schon in früheren Jahren hierorts geplante Gründung eines zionistischen Turnvereins wurde im Sommer oder Herbst 1903 durch einen Berliner Bar Kochbaer von neuem in die Hand genommen. Auf seine Veranlassung wurde unter Zugrundelegung der Statuten des »Bar Kochba" ein nationaljüdischer Turnverein gegründet, zu dem etwa 40—60 junge Leute ihren Beitritt erklärten. Ohne ältere, im Verkehr mit den Behörden erfahrene Männer zu Rate zu ziehen, gingen die jugendlichen Vereinsgründer ganz selbständig vor und wandten sich direkt an die Stadt Frankfurt um Ueberlassung einer städtischen Turnhalle. Auf ihre Eingabe erfolgte seitens des städtischen Turninspektors Weidenbusch eine Zusage, jedoch nur unter der Bedingung, dass die Einwilligung des betreffenden Schulrektors zuvor beigebracht würde. Diese wurde dem Verein auch unbedenklich erteilt, trotzdem aber der nunmehr endgütig gestellte Antrag von der Stadt und zwar ohne Angabe von Gründen, abgelehnt. Sichere Anhaltspunkte für diese unmotiviert gebliebene Ablehnung sind leider nicht festgestellt Morden, obwohl es nicht schwer gewesen Wäre, den oder die Urheber dieser plötzlichen Willensänderung zu ermitteln. So muss man sich mit blossen, freilich nicht jeder Grundlage entbehrenden Vermutungen begnügen, die bezeichnenderweise einstimmig die Absage der städtischen Behörde auf den Einfluss eines oder zweier »liberaler" jüdischer Stadträte zurückführen. Auch uns scheint diese Fährte nach den gleichartigen traurigen Erfahrungen in anderen Städten, die richtige zu sein. — Einen gewissen Ersatz wird den jüdischen Turnern, die zu Beginn dieses Wintersemesters ins Leben gerufene Turnsektion des freilich nach aussen tendenzlosen ,Montefiore" - Vereins bieten, die dank der Bemühungen des Rabbiners Dr. Horwitz die Turnhalle des .Philantropins" (dessen Patron Horwitz ist) zur Benutzung erhalten hat. Die Hoffnungen der jüdischen Turner sind auf diese Turnabteilung gerichtet, an der es