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Jüdische Turnzeitung · 1904-12-01 · 12 (12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
12 (12.1904)
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 12 221 unentbehrlich. Kann man doch sogar beim Lawn Tennisspiel einen Ball ins Auge bekommen oder einen Fuss brechen, ganz abgesehen von den gefährlicheren Tätigkeiten wie Rudern, Schwimmen, Reiten, Fahren, Bergsteigen oder dem Fussballspiel. Und für den von Natur mutigen Menschen ist es gerade das geringe Ausmass von Gefahr, das ihm beim Sport die feinsten Glücksmomente vermittelt. Schopenhauer hat ganz recht, wenn er sagt, dass man „den Willen zum Leben verneinen muss, um glücklich zu werden"; aber er war im Irrtum, wenn er glaubte, dass diese Verneinung nur möglich sei in der Askese. Auch dann, wenn der Jüngling sich frisch und fröhlich seinen Edelweissstrauss an der Steilwand des Todes pflückt, auch dann .verneint er den gemeinen Willen des Lebens und empfindet ein paar Augenblicke „Götterlust". Jeder echte Bergsteiger, jeder Krieger hat schon derart empfunden. Und wer nicht wenigstens die Anlage zu einem Hauche dieser Empfindung hat, in wem der Wille zum Leben in seiner niedrigsten Form allmächtig ist, der wird nie bei einem Sport Lust empfinden, und wird nie davon Vorteil haben . . Solche Menschen sind jedoch verhältnismässig selten. Bei den meisten stammt die Feigheit aus dem Bewusstsein ihrer Ungeschicklichkeit, und verschwindet in dem Masse, wie mit der Uebung das Bewusstsein der Sicherheit sich einstellt. Die zweite Klasse, die in tiefster Wurzel geschwächten Elemente, brauchen mindestens eine Vorbereitung, ehe sie sich dem Zauberdoktor Sport anvertrauen können. Sie müssen erst durch das Fegefeuer der Kaltwasserheilanstalten und Nervensanatorien hindurch, ehe sie in das Himmelreich der selbsterworbenen Gesundheit einziehen können. Solche Menschen bedürfen strengster Diät und sorgfältigster Erziehung; einer Diät, die, soweit möglich, alle Schädlichkeit des Berufs vermeidet und den Einfluss anderer äusserer Schädlichkeiten, giftige Genussmittel, geschlechtliche Ueberreizung u. s. w. fern hält. Und einer Erziehung, die den Eremdwillen des suggestiven Arztes in das Bewusstseinsleben des Kranken einführt, dessen eigenen Willen von den hypochondrischen Vorstellungen, an die er sich klammert, mit sanfter Gewalt los macht und verstärkt auf andere Punkte des Bewusstseinsinhalts konzentriert. Dieser Prozess der leiblichen Reparatur und seelischen Massage kann in schweren Fällen viele Monate in Anspruch nehmen: und ehe der tiefgesunkene Wille des Kranken nicht auf ein bestimmtes Mindest-Niveau emporgehoben ist, .wirkt der Sport Wer als Gift. Ist es aber erreicht, daün sehen wir keine Möglichkeit, einen solchen Kranken auf eigene Füsse zu stellen, ihn dem Leben als aus eigener Kraft lebensfähiges

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