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Jüdische Turnzeitung · 1904-12-01 · 12 (12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
12 (12.1904)
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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220 Nö. 12 Darum gilt als erste Regel für denjenigen, dem der Sport grundsätzlich gestattet ist, die Uebung nie weiter zu übertreiben, als sie Vergnügen macht, und keinen anderen Sport zu wählen als denjenigen, der „Passion" erweckt. Wir wollen hier nicht falsch verstanden werden. Das Turnfieber ist z. B. sicher kein Vergnügen. Aber von solchen untergeordneten Störungen ist hier nicht die Rede, sondern wir sprechen von der allgemeinen Gesundheits¬ und Kräftigungsempfindung, die ein richtig betriebener Sport mit sich bringt. Solange diese sich steigert, wird er auch nützen. Wer aber über diese Grenze hinausgeht, hat es sich selber zuzuschreiben, wenn ihm die Arzenei zum Gift wird. Es giebt bevorzugte Menschen, die unmittelbar aus der Ruhe heraus Gipfelleistungen vollbringen können; es giebt am anderen Extrem solche, deren Willensapparat, das heisst Muskel, Nerven und Gehirn, durch angeborene oder erworbene Einflüsse so geschwächt ist, dass sie bei der allerkleinsten Gabe der Körperübungen beginnen müssen, wenn sie davon Nutzen haben sollen. Dieses Anfangsmass und das Mass der Steigerung muss jeder einzelne für sich herausfinden; und es werden viele sein, die das normale Höchstmass niemals erreichen werden, viele, die den Monte Rosa und Matterhorn niemals erklimmen werden und die niemals. voller Behagen an einem Tage 200 km. auf dem Rade zurücklegen können. Darauf kommt es aber auch nicht im mindesten an. Die Uebung soll immer ein zweckloses Spiel bleiben; und unsere unübertrefflichen Lehrmeister in der Kunst des Spielens, unsere Kinder, zeigen uns ja, dass man aufhören muss, wenn die Sache keinen Spass mehr macht. Selbst aber unter dieser Voraussetzung bleibt noch eine ganze Zahl von Neurasthenikern übrig, die den Sport in gar keiner Dosis vertragen können. Das sind die Menschen, die schon nach der geringsten, über ihre Gewohnheiten hinausgehenden Anstrengung in einen Erregungszustand kommen, in dem der Schlaf und der Appetit leidet. Das sind entweder die Ueberängstlichen, denen die mit jedem Sport untrennbar verbundene Gefahr die Freude zerstört, oder Menschen mit so geschwächtem Willensapparat, dass die kleinste Betätigung der Körperfunktion in ihren Nerven ganz unverhältnismässige, im höchsten Masse schwächende Umsetzungen von chemischer Energie in motorische Energie auslöst. Was die erste Klasse anlangt, so ist sie unheilbar, wenn es sich bei ihrer Angst um das liebe Leben um eine angeborene Anlage und nicht etwa nur um Mangel seelischer Erziehung handelt. Ein wenig Verwegenheit und Wagemut ist für den Sport in jeder seiner Betätigungen nun einmal*

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