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Jüdische Turnzeitung · 1904-12-01 · 12 (12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
12 (12.1904)
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 12 319 nicht nur mehr um eine Umfettung, sondern um eine Verfettung des Herzens handelt, wo schwere Schädigungen der Nieren vorliegen, kurz wo grobe anatomische Veränderungen lebenswichtiger Organe und nicht mehr blosse sogenannte »funktionelle" Störungen gegeben sind, da kann das Heilmittel der kräftigen körperlichen Bewegung geradezu zum Gift werden, wie auch jedes andere wirkliche Heilmittel unter Umständen Giftwirkungen ausüben kann. Darum soll niemand, der sich krank fühlt, sich der kräftigen Arzeneien aus der Sportapotheke bedienen, ehe er "nicht von seinem Leibarzt ein Gesundheitsattest erhalten hat. Wird eine ernstliche Störung gefunden, dann darf die Körperbewegung nur noch in vorsichtiger Dosierung »eingenommen* werden, und wird dann, wie die Oertelsche Steigekur bei Herzkranken gelehrt hat, auch noch die kräftigsten Wirkungen ausüben können. Aber selbst in vielen Fallen rein funktioneller Störungen, reiner Neurasthenie, ist der Sport nicht ohne weiteres, nicht sofort in voller Dosis, angebracht. Es giebt Nervenschwache, die die körperliche Bewegung durchaus nicht vertragen, die davon geschwächt statt .gestärkt werden. Die Schuld liegt aber sehr häufig an den Beteiligten selbst, die unter der Wirkung des mächtigen neuen Reizes ihrem Körper sofort zuviel zumuten und ihn, statt nur zu ermüden, tibermüden. Solche Fälle haben die sportliche Betätigung, die vor ganz kurzer Zeit als die Panacee bei vielen Aerzten gegolten hat, einigermassen in Misskredit gebracht. Namentlich die Radlerei hat dadurch viel von ihrem Glorienschein verloren. Soweit wir derartige Fälle aus eigener Beobachtung kennen, handelte es sich meistens um verzweifelte Hypochonder, die nach einer wahren Odyssee durch die Sprechzimmer sämtlicher Autoritäten und berühmten Pfuscher, aach Einverleibung des grössten Teiles aller bestehenden Pharmakopoen, im Sport ihre letzte Hoffnung erblicken. Solche Menschen schalten aber die kräftigste Heilübung von vornherein aus: die Zwecklosigkeit . . Gerade der Charakter des Spiels ist ja, was dem Sport seinen psychischen Heilwert verleiht, gleichwertig dem somatischen Heilwert, den die geschilderte Durchbrechung des circulus vitiosus der organischen Disharmonie ihm giebt. Und wer beim ^port den Zweck nicht los wird, wessen Gedanken immerfort um den einen fixen Punkt kreisen, sofort gesund werden zu wollen, für den geht der psychische Heilfaktor so gut wie ganz oder ganz verloren. Er wird ausserdem immer geneigt sein, die Uebungen zu übertreiben, um seinen Zweck schneller zu erreichen und wird ihn gerade darum leicht ganz verfehlen.

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