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Jüdische Turnzeitung · 1904-12-01 · 12 (12.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
12 (12.1904)
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 12 217 noch unterstützt, vorwärts gedrängt durch das „sekundäre Herz" des Venenklappenapparates, das bei jeder Beugung und Streckung in den Gelenken in kräftige Aktion tritt. Wo das Herz so kräftig arbeitet, und der Gesamtstoffwechsel einer so eingreifenden Revolution unterliegt, muss die Lunge wohl oder übel zu entsprechender Arbeit mit heran. Denn einmal ist ihr Rhythmus mit dem des Herzen eng verknüpft, und dann wirkt auf sie bekanntlich der Kohlensäurereichtum, d. h. das Sauerstoffbedürfnis des Bluts als Funktionsreiz. Und bei Muskelarbeit wird viel mehr Sauerstoff verbraucht und Kohlensäure entwickelt, als - bei der Ruhe, wie ja auch eine Reserve - Lokomotive im Schuppen ungleich weniger Kohlen verbrennt, das heisst Kohlensäure produziert und Sauerstoff konsumiert, als eine Maschine in voller Fahrt. Diese Kohlensäureabfuhr und Sauerstoffzufuhr zu der arbeitenden Kraftmaschine des Menschen hat die Lunge zu leisten; sie muss sich kräftiger entfalten, wirft die giftig 'gewordene Residualluft hinaus und öffnet dem ernährenden und heilenden Blutstrom die feinsten Gefässnetze ihrer Wandungen. Wo die Gesamtzirkulation, die Abfuhr des stagnierenden, venösen Blutes und die Zufuhr frischen, sauerstoffhaltigen Blutes mit so vermehrter Kraft erfolgt, da fängt auch der träge Darm wieder an zu arbeiten. Er schiebt seinen Inhalt mit vermehrter Kraft vorwärts und hinaus; damit fangen die grossen Verdauungsdrüsen wieder an, normal zu funktionieren, und der Appetit, oder vielmehr der Hunger stellt sich als Kennzeichen der 'erfolgenden Genesung wieder ein: die Selbstvergiftung verschwindet. Die Niere wird von ihrem natürlichen Kompagnon bei dem Geschäft der Entgiftung, den Schweissdrüsen der Haut, plötzlich wieder mit regem Eifer unterstützt. Welche Giftmengen durch die Transpiration bei kräftiger Muskeltätigkeit aus dem Körper eliminiert werden, hat erst kürzlich eine physiologische Untersuchung zahlenmässig gezeigt: der bei der Arbeit vergossene Schweiss ist 90-100 Mal so giftig, wie der bei der blossen passiven Erhitzung des Körpers, z. B. im Dampf- und elektrischen Bade, vergossene Schweiss. So erhält während der Arbeit die Niere halbe oder vielmehr dreiviertel Ferien, da die aus dem Körper hinauszuschaffende Menge schädlicher Stoffwechselprodukte bei normaler Muskelbetätigung eine ungleich geringere ist, als bei einseitig sitzender Lebensweise und geistiger Arbeit. Und ebenso klar ist, dass bei Fortfall der Schädlichkeiten die Sinnesorgane sich regenerieren, zum mindesten sich erholen können und müssen. Dieser Prozess der Gesundung geht nicht ganz reibungslos von statten. Der ungeheuere Wachstumreiz, den die Betätigung in der Muskulatur auslöst, macht sich zunächst

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