Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 12 (12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 griechischen Sitte noch nicht die Auflösung der alten Stammesart zu bedeuten hat Selbst die Einfuhrung des Zeuskultus war ursprunglich kaum etwas anderes als die Einfuhrung einer moderneren Bezeichnung. Wir sprechen heut auch von Tempel, Confirmation, kirchlicher Trauung. Den Judengott nannten sie eben Zeus, ohne das« dadurch die alttraditionellen religionsphilosophischen Vorstellungen zunächst eine Aenderung zu erfahren brauchten. Ungleich viel harmloser erscheint da noch die Einführung gymnastischer Uebungen. Die Abscheu, mit der die Makkabäerbtieher davon sprechen, muss jüdischnationale Turner besonders eigen berühren: .Sie richteten sich in. Jerusalem ein heidnisches Spielhaus ein". (1. Makk. 1,15) Wir würden heut sagen: „Sie bauten sich eine Turnhalle". Und wie modern klingt "es uns, wenn wir hören: (Jason) „verordnete, dass sich die stärksten jungen Gesellen darinnen üben müssten" (2 Makk. 4, 12) Das ist ja das Programm der jüdischen Turnerschaft: die Parole nach dem Muskeljudentum! Die Stählung des Körpers als Gegengewicht gegen die Vergeistigung und Vergeistlichung des jüdischen Volkes. Wir glauben nicht, dass dem Usurpator der Hohenpriesterwürde Jason die tieferen Beziehungen je klar geworden sind zwischen dieser hellenistischen Assimilation und der Stärkung der Nationalkraft durch .modernere* Mittel Vielleicht war er nur ein krasser, äffischer Assimilant und ein gewissenloser Streber. Dass aber die inneren Antriebe zu dieser Form hellenistischer Kultur, zur Pflege des schönen und gesunden Körpers nicht fehlten, ist wahrscheinlich. Es will uns scheinen, dass der Sport, das Turnen, die Kultur körperlicher Gewandheit überall dort Boden gewinnt, wo die natürlichste Ausarbeitung des Körpers — der Ackerbau — nicht statt hat Der Grieche lies» seine Sklaven das Feld bestellen. Er fand den Ausgleich zur vollen menschlichen Harmonie in den »Gymnasien". In Rom wird der Sport heimisch, seitdem die gewaltigen Eroberungen Reichtümer und Sklaven bringen. Der alte SchoUensitzer brauchte dieses Äquivalent, das der Sport bringt, nicht. Auch in Judaea war allgemach die Struktur des sozialen Körpen eine andere geworden. Leider fehlt es uns für