Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 12 (12.1904)
- Date
- 1904-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 211 kaum eine Wandelung. Und wir können getrost durch Analogie auf frühere Zeiten des Einsetzens neuer Assimilationen schliessen. Und die geringen Andeutungen, die wir aus alteren Zeiten besitzen, füllen sich dann mit Leben. ' Wir kennen vier grosse Assimilationsperioden: 1. Die babylonische nach Zerstörung des ersten Tempels. 2. Die hellenistische. 3. Die spanische. - 4. Die „Aufklärungs"zeit. Zwischen diesen Epochen, deren Beginn und Ablauf natürlich nicht mit roher, schematischer Zeitangabe abgegrenzt werden kann, liegen zwar Intervalle von 7,-1 Jahrtausend. Allein es sprechen alle Wahrscheinlichkeiten dafür, dass wir es — mutatis .mutandis! — prinzipiell mit den gleichen Vorgängen und den gleichen Begleiterscheinungen zu tun haben. Während aber die Einflüsse dieser Assimilationen sich in voller Schärfe und Deutlichkeit in unserer jüdischenKulturgeschichte nachweisen lassen, ist die Kenntnis der näheren Begleitumstände fast ganz verloren gegangen. Und gerade sie waren von nicht geringem volkspsychologischem Interesse und könnten die pragmatische Geschichtsforschung beleben und manche historischen Rätsel der Lösung naherführen. Wenn das jüdische Schrifttum darüber hinweggeschritten ist, so liegt das zu grossem Teil an seinem unhistorischen Charakter und dem vollkommenen Mangel an historischem Sinn. Allein auch von der anderen Seite her daran, dass die Begleitumstände für das fortlebende Judentum ohne Wirkung blieben, weil sie eben aus dem Judentum herausgeführt hatten. Der besonders krassen Extreme wird wohl manches Mal Erwähnung getan. Wir wissen von den jüdischen Geschäftsleuten, denen es in Babylon so wohl gefiel, dass sie sich der kleinen Schar der jüdischen Patrioten, die zur alten Heimat zogen, nicht anschlössen. Wir kennen die Taufwut vom Ende des 18. Jahrhunderts. Und die Mäkkabäerbücher berichten uns voll Wut von den Griech« Hngen, die Feinde der „Lehre« und der Heimat waren. Aber eben so sicher hat es zwischen der Tradition und dem Abfall etae grosse Reihe von Zwischenstufen gegeben. Und diese |wiichenstufett sind vielleicht für die weitere Entwicklung von bestimmendem Einfluss geworden. Sie haben Kon-