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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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No. 10/11 198 lohnen, bei passender Gelegenheit in Karlsruhe nochmals einen Versuch zu unternehmen. Bevorrich mit jenen Herren des „Karlsruher Turnklubs" die erwähnte Besprechung hatte, suchte ich Herrn Hofrät Alfred Maul, den verdienten Leiter des gesamten badischen Turnwesens, auf. Maul hat in Bezug auf die Entwicklung des Schulturnens bahnbrechend gewirkt und spielt auch im Leben der „Deutschen Turherschaft", in deren Ausschuss er heute sitzt, nachdem er in früherer Zeit Jahre lang ihr Vorsitzender gewesen war, eine führende Rolle. Auf meine Frage nach seiner Ansicht über unsere jüdischen Turnbestrebungen begann er zunächst von jenen, ihm wohlbekannten „israelitischen" Turnvereinen, von der Art des „Turnklubs Karlsruhe" zu sprechen und erklärte die Existenz dieser „israelitischen" Vereine dort, wo sich Antisemitismus in den am Ort bestehenden Turnvereinen der „Deutschen Turnerschaf t^ zeige, für durchaus berechtigt. Er erzählte dann von seinen* günstigen Erfahrungen, die er in turnerischer Hinsicht mit den jüdischen Lehrern gemacht hätte, welche er in der ihm unterstellten •; Badischen. Turnlehrerbildungsanstalt zu unterrichten hatte. Erst nachdem ich ihn auf die grundsätzliche Verschiedenheit unserer jüdischen Turnvereine von den pseudo-jüdischen, die er anfänglich im Auge hatte, aufmerksam gemacht und in wenigen Sätzen unsere, ihm bisher gänzlich unbekannt gebliebenen Bestrebungen erklärt hatte, pflichtete er in den wärmsten und anerkennendsten Ausdrücken mir bei und entwickelte ein umfassendes Programm unserer „begrüssenswerten und berechtigten" Sache. Ganz besonders befriedigte ihn mein. Hinweis auf unsere Kulturaufgaben im Osten, und er erklärte, ohne zu ahnen, dass er etwas schon Bestehendes forderte, einen Zusammenschluss dieser jüdischnationalen Vereine für notwendig. Maul verstand — was Juden so schwer verstehen — sofort Bedeutung und Tragweite unserer nationalen Idee und — auch wiederum im Gegensatz zur landläufigen jüdischen Meinung — sieht er mit uns ein friedliches Arbeiten der Jüdischen Turnerschaft für ihre jüdisch-nationalen Ziele, neben der für ihre deutschnationale Sache arbeitenden Deutschen Turnerschaft für beide Teile und für die Allgemeinheit als durchaus erspriesslich an. Als ich nach einstündiger Audienz von dem alten, schlichten Herrn schied, hatte ich das Bewusstsein, einen neuen Freund unserer Sache, der er nicht nur sympathisch gegenüberstehen will, gewonnen zu haben, und musste daran denken, dass auch die anderen Führer der Deutschen Turnerschäft unsere Sache mit anderen Augen als bisher ansehen würden, wenn sie sich nur die Mühe nehmen wollten, unser Streben erst richtig kennen zu lernen. Ja, es-ist wahr, was erst kürzlich

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