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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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No. 10/11 Familien erst durch ihre turnenden, weiblichen Mitglieder in das Vereinslehen gezogen werden. Die Idee einer Frauenabteilung schien den Herren, mit denen ich darüber sprach, wenigstens in der Mehrzahl der Falle, sehr zu gefallen und wird hoffentlich recht bald verwirklicht werden. Ebenso durfte ein grosser öffentlicher Vortrag dem Verein viel neue Kräfte zuführen. Viel günstiger scheinen die Aussichten unserer Bewegung in den zahlreichen, nahe von Freiburg gelegenen kleinen und mittleren Städten zu sein, die meist eine starke jüdische Bevölkerung aufweisen, und in denen m.E. ein starkes jüdisches Leben erweckt werden könnte. Wenn vielleicht die Herren in Freiburg ihr Augenmerk hierauf lichten würden, könnte Freiburg sich mit Leichtigkeit zu einer kleinen Centrale jüdischer Turnerei erheben. Denn grade in den benachbarten Städten Freiburgs tragen die bestehenden Turnvereine einen speziellen Charakter, der es den Juden erschwert, sich ihnen anzuschliessen. So bestehen in jener Gegend eine grössere Reihe katholischer Turnvereine. Mein nächstes Ziel war Karlsruhe. In Karlsruhe besteht der im Juni 1903 auf Anregung seines jetzigen Vorsitzenden Kaufmanns Baruch "Wormser (Karl Friedrichstr. 16) gegründete .Turnklub Karlsruhe". Ein Blick in die Statuten dieses Vereins informiert uns genügend. § 2: „Der Verein verfolgt keinerlei politische und religiöse Tendenzen*. Dass der Verein jüdisch ist und als solcher allgemein gilt — er besteht z. Z. aus lauter Juden, wahrend früher ab und zu ein Nichtjude auf kurze Zeit ihm angehörte -- das bedarf nunmehr ebenso wenig einer weiteren Darlegung, wie die Ableugnung dieser Tatsache seitens der meisten Vorstandbeamten. In turnerischer Hinsicht leistet der Verein nach dem Urteil des Hofrats Maul (s. u.) recht Gutes. Er zählt ca. 60 Mitglieder, turnt wöchentlich einmal in einer städtischen Turnhalle, unter Leitung eines engagierten Turnlehrers, m einer durchschnittlichen Starke von ca. 30— 35 Mann. Die grosse Mehrzahl der Mitglieder ist streng orthodoxer Richtung und besteht hauptsächlich aus sog. „besseren" jungen Kaufleuten. Die in den Warenhäusern u. ä. Geschäften angestellten jungen Leute bleiben ihm trotz wiederholter 13eraühungen, sie zu dem Verein herüberzuziehen, fast gänzlich fern. Ich hatte mit verschiedenen Herren des Vorstands eine eingehende Besprechung über die Frage einer Aenderung . der Tendenz des Vereins in unserem Sinne. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich die Mehrzahl der Anwesenden nicht abgeneigt, derartigen Plänen näher zutreten, und beschloss, auch auf einer demnächst einzuberufenden Vorstandssitzung diese Frage zu erörtern. Wenn der Vereinsvorstand auch, wie ermirspätermitteüte.sich zu dieser Statutenänderung noch nicht entschliessen konnte, so glaube ich, durfte es sich doch ver-

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