Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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184 No. 10/11 wendigkeit erfordern würde, sondern er sendet die bewegliche Mannschaft mit grösster Schnelligkeit überall da hin, wo ihre Anwesenheit notwendig wird. Nun braucht jedes arbeitende Organ bedeutend mehr Blut wie jedes ruhende, aus dem klaren Grunde, weil jede arbeitende Zelle, um ihre spezifische Funktion ausführen zu können, eines im Vergleich zur Ruhe sehr gesteigerten Stoffwechsels bedarf, einer vermehrten Ernährung, die nur das Blut bringen kann, und einer beschleunigten Abführung der Abfallprodukte, die ebenfalls nur das Blut vollziehen kann. So z. B. braucht der arbeitende Muskel mehr als zwanzig mal so viel Blut als der ruhende. Das arbeitende Organ zieht diese vermehrte Blutmasse auf die einfachste Weise dadurch an sich heran,, dass es seine Gefässbahnen entsprechend weiter öffnet und so den rastlos fliessenden Mühlbach, der das ganze Getriebe in Bewegung setzt und in Bewegung hält, in verstärktem Strom über seine Turbinen leitet. Da nun die Blutmasse, wie schon gesagt, sehr beschränktist, so ist es klar, dass nicht zwei mächtige Organgruppen gleichzeitig intensiv arbeiten können; denn entweder erhalten beide nicht genug Blut oder das eine wird fast gänzlich unversorgt gelassen; darum kann man z. B. während einer intensiven Verdauungstätigkeit weder körperlich noch geistig angestrengt arbeiten. Wenn nun ein Organ im regelmässigen Wechsel der Beschäftigung in normaler Weise und durch normale Zeit beansprucht wird, um dann wieder die normale Zeit ruhen zu können, so sind alle Bedingungen dafür gegeben, um seinen Aufbau und seine Funktion zur höchsten Tüchtigkeit zu entwickeln. Denn während der Arbeit und der verstärkten Blutzufuhr werden die alten fallreifen, vermorschten Elementarteilchen vollends ausgeschieden, in der Flamme des massenhaften Sauerstoffes, den das arterielle Blut herbeiführt, verbrannt, als Heizmaterial in dem grossen Ofen des Organismus; ebenso werden die in den feinsten Saftkanälchen noch lagernden, vielfach giftigen Stoffwechselschlacken hinausgespült in den grossen Strom, der sie durch .Selbstreinigung* beseitigt, ganz wie die Ströme auf der Oberfläche unseres Planeten durch Selbstreinigung sich von den giftigen Stoffwechselachlacken der an ihren Ufern erbauten Grossstädte befreien. Kommt dann zur gehörigen Zeit die Ruhe und viel geringere Blutversorgung des gesund ermüdeten Organs, so bilden sich unter dem Wachstumreiz, den die Arbeit als solche auslöst, an Stelle der fortgespülten und verbrannten invaliden Zellen neue, junge, funktionskräftige in grösserer Anzahl als zuvor: das Organ regeneriert sich nicht nur, sondern es wächst und verstärkt sich.