Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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No;-10/il- Grossrjfldustrie gelenkt worden,' wie die'Aufmerksamkeit der Sozial-PoHtiker ihre-wirtschaWichea; Folgpen; Das »Weberbeini",der. Fabrikweber war schon1m,.derselben Zeit -ei«- eng umschriebenes. „Krankbertsbild", als die ersten Gewerkvereine sich, ausbildeten,, und als -die himmelschreiende Not des englischen Fabrikproletariats, das erste Kinderschutzgesetz und das erste Arbeiiergesetz nötig gemacht haben. Wir haben in diesem Weberbein und entsprechend in dem »Bäckerbein" etc. ein typisches Beispiel für den: Einfluss, den Ueberanstrengung eines einzelnen Organs . auf den Aufbau und die Eirtzelfunktion des Körpers ausübt. Hier verändert sich der festeste Bestandteil des gesamten Organismus, das starre. Skelett unter, der Einwirkung überlanger Arbeit in stehender Stellung. Hierunter leidet nicht nur die Funktion der unteren Extremitäten selbst,- indem der Gang plumper und mühseliger wird, sondern auch , die Gesamtfunktion' des Körpers unterliegt mancherlei Störungen, Schmerzen und dergleichen. Das mag ein Bild davon geben; wie weniger feste Organe unter ähnlichen Einwirkungen verkrüppelt werden. Ich erinnere nur an die Herzhypertrophie der Steinträger. Aber selbst, wenn man diese allergröbsten, zu wirklieh ausgeprägten Krankheiten führenden Störungen, die immerhin relativ selten sind, aus der Betrachtung ausscheiden will, so bleibt doch als eine ganz regelmässige Berufskrankheit eines ausserordentlich grossen Prozentsatzes aller Fabrikarbeiter eine Gesamtstörung übrig, die man aufzufassen hat als die Störung einer bestimmten Muskelgruppe durch übermässigeBeanspruchung und gegebenen Falls eines bestimmten Sinnesorgans; und auf der anderen Seite als die Folge einer unternormalen Beanspruchung des gesamten übrigen Körpers. Dadurch werden die Fabrikarbeiter in eurem gewissen Sinne verkrüppelt. Sie verlieren die volle Herrschaft über die berufsmässig brachgelegten Muskelpruppen, werden aus Vollmenschen, die jeder normalen Beanspruchung durch das Leben gewachsen waren» zu spezifisch1 angepassten Kraftmaschinen, die nur einer, allerdings aufs höchste gesteigerten Leistung fähig' sind. Kurz und gut, sie treten als be<- sonders differenzierte Teile in den gewaltigen Arbeitsteilungsorganismus ein, den eine moderne. Fabrik darstellt, in diesen seltsamen Organismus, dessen wirkende Teile auf . der einen Seite Menschen von Fleisch und Blut,, auf der anderen Seite Kraftapparate von Eisen und Stahl sind. Das ist .ein sozusagen parasitäres Verhältnis, .eine Abwärtsentwicklung,' ein degenerierender Prozess, wo der Organismus als solcher so gut wie verschwindet, um nur ein einziges tätiges Organ übrig zu lassen.