Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965092-5965216--1121-4923991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 10/11 181 So bildet denn die Erziehung zur körperlichen Leistungsfähigkeit einen wichtigen Hauptteil der sozialen Pädagogik der Zukunft. Sie hat die Bürger der Zukunftsgemeinschaft zu erschaffen, deren Persönlichkeitswillen stark genug ist, um sich nie und nirgends zum Herdenbestandteil herabdrucken zu lassen, stark genug ist, um nötigenfalls das Leben selbst für die Wahrung der Persönlichkeit, das heisät der Freiheit, einzusetzen. Wobei nicht zu vergessen ist, dass der Entschluss, sein Leben an die Freiheit zu setzen, selbst dem Kühnsten um so leichter wird, je besser er sich in der Lage weiss, sein Leben durch eigene Kraft und Gewandtheit zu schützen. Eine gesunde Seele wohnt nur im gesunden Körper Man darf dies unzweifelhafte Axiom ohne Fehl auch auf die Volksseele anwenden. So wird die Sozial-Hygiene noch über jedes Fachinteresse des Mediziners und Demologen hinaus zü einem wichtigen Bestandteil der Vorbereitungen für die Zukunft, der wir entgegengehen; und so wird der Sport zu einem wichtigsten Mittel der Sozial-Hygiene und damit der gesamten sozialen Fürsorge-Tätigkeit. Es bringt namentlich die wachsende Kultur eine unmittelbare Bedrohung der leiblichen Gesundheit aller produzierenden Menschen mit sich, die zur Schädigung werden muss, wenn nicht ein Gegenmittel ausgleichend eingreift. Dieses Gegenmittel ist der Sport. Gesundheit heisst nämlich harmonisches Ineinandergreifen aller Organfunktionen. Das kann nur der Fall sein, wenn alle Organe in ihrem anatomischen Auf bau an Umfang und Frische sich innerhalb der „physiologischen Breite* befinden. Und das wieder kann nur der Fall sein, wenn alle Organe, entsprechend der physischen Durchschnittsnorm, zur Tätigkeit angehalten werden. Ein Zuviel der Leistung, dauernd dem einzelnen Organ zugemutet, übermüdet es und schädigt es schliesslich dadurch in seinem Aufbau, dass ihm nicht die genügende Zeit zur Regeneration des Verbrauchten gelassen wird. Ein zu wenig gebrauchtes Organ leidet ebenfalls in seinem Aufbau, weil die verbrauchten Elemente nicht mit genügender Schnelligkeit ersetzt werden. In heiden Fällen leidet die Funktion des Organs; sie spielt ihren Part in der Symphonie der Gesamtfunktionen unrein und unvollkommen; und statt des'Lustgefühls, das die volle Harmonie aller Funktionen hervorruft und das eben als Gesundheitsgefühl empfunden wird, entsteht eine Disharmonie, die wir als Unlust, als Ünglticksgefühl, kennzeichnen. Das einfachere Bild dieser Gesundheitsstörung 4ureh einseitige Berufstätigkeit bieten die Fabrikarbeiter dar, und die Aufmerksamkeit der Sozial-Hygieniker ist auch fast schön so lange auf diese eigentümlichen Folgen der modernen