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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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174 No. 10/11 mehr zu erdulden. Und wenn sie das nicht will, auch dann haben wir sie gekräftigt und haben die Genossen zusammengeführt* dass sie ihrer nicht vergessen* und die Ueberlieferungen der Familie pflegen und hochhalten. So können wir von einem Alljudentum reden, das wir erstreben, ein Alljudentum, das weit, weit hinausgeht über Parteien und Religionen und das auch die zu seinen Brüdern rechnet, die nicht Zionisten sind, und das ist schliesslich nicht die Minderzahl. Jedes Festlegen aber auf irgend eine Richtung wäre gleichbedeutend mit einer Beschränkung unseres Tätigkeitsfeldes. Vollends eine zionistische Tendenz würde uns die Hälfte unserer Anhänger wegnehmen und das Judentum einer Medizin berauben, damit nur die Zionisten sie einnehmen könnten. Wir wollen starke Juden und starke Juden; wir hoffen, dass damit ein starkes Judentum gebildet wird. Wir sind nicht die Pioniere des Zionismus, wir sind „nur" die Pioniere eines starken jüdischen Bewusstseins, des Nationaljudentums! Sport.*) Von Franz Oppenheimer. Das wachsende Interesse immer breiterer Volksschichten für alle möglichen Arten der sportlichen Betätigung wird von vielen tüchtigen Männern misstrauisch angesehen, von manchen schroff verurteilt. Und es ist in der Tat nicht zu leugnen, dass die Erscheinung eine ganze Anzahl hässlicher und abstossender Züge an sich trägt. So z. B. ist das immer tief er fressende Krebsübel der Wettwut nicht nur ein höchst bedenkliches sozial-psychisches Symptom, sondern es stellt auch, von der ökonomischen Seite aus betrachtet, eine Gefähr für den Volkswohlstand dar, namentlich seit nicht nur die oberen Zehntausend, die es sich leisten können, und deren Ruin schliesslich für die Gliederung der produktiv tätigen Bevölkerung kaum in Betracht kommt, dieser Passion fr öffnen, sondern auch weite Kreise des bürgerlichen Mittelstandes davon infiziert worden sind. Wer die Verhältnisse kennt, weiss, wie sehr die Rennwetten und das durch sie entzündete Hazardspiel gerade die wohlhabenderen Schichten des handwerklichen Mittelstandes, namentlich die besser situirten Schlächter und Bäcker, dezimiert. *) Die Liebenswürdigkeit des Herrn Verfassers, der unseren jüdischen Turnbestrebungen ein reges Interesse entgegenbringt, und dem Entgegenkommen des Verlags S. Fischer-Berlin verdanken wir die Erlaubnis, den hochinteressanten Aufsatz, der zuerst im Aprilheft der Neuen Deutschen Rundschau, Jahrgang 1901 erschienen ist, zum Abdruck zu bringen. Der beschränkte Raum unserer Zeitung zwingt uns zu einigen Kürzungen, D. Red.

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