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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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No. lü/ll 178 „jüdisch" ein durchaus tendenziöses Kleid anzieht, das aber an und für sich mit dem Wort „national» nichts zu tun hat. Die Turnerschaft dagegen beschränkt sich auf die Auslegung, die man dem Begriff allgemein gibt und die m dem Wort selbst begründet liegt. Sie versteht darunter dasselbe, was man heute als „völkisch" bezeichnet, und sie hat es nie anders verstanden. Diese Auffassung entspricht aber auch durchaus den Tendenzen, die sie verfolgt. Sie will das jüdische Volk körperlich heben und zwar, weil die Juden die Körperpflege vernachlässigen. Sie sagt also zu den Juden: Turnt! Warum sie das gerade zu den Juden sagt und was ihr die Berechtigung gibt, ihnen gegenüber so aufzutreten? Nun, da kommt unser National gefühl, das nichts anderes ist, als das Gefühl der Blutsverwandtschaft, dasselbe Gefühl, das ich gegenüber meinen Geschwistern empfinde. Es schmerzt uns, wenn wir sehen, dass unser Bruder, unser Blutsverwandter, der Jude, schlecht gebaut, schwach, krank ist. Noch mehr aber kränkt uns, dass die körperlichen Fehler die* entsprechenden psychischen und moralischen Fehler gezeitigt haben, dass unser, dein und mein Bruder nicht nur kraftlos, sondern auch mutlos und nicht nur gebeugt, sondern auch unterwürfig geworden ist. Es geht uns da genau wie in der Familie. Die Schande unseres Bruders wird unsere Schande, wir fühlen sie selbst so und darum stacheln wir sein Ehrgefühl und ruhen nicht, bis er stolz dasteht und stark und aufrecht, dass seine Ehre unsere Ehre wird, aber auch seine Kraft unsere Kraft. Denn wie wir allein ohnmächtig waren gegen*- über dem Drängen und der Nichtachtung der anderen, so vermögen wir mit seiner Hilfe, einer für den anderen und einer mit dem anderen, stand zu halten und nicht nur zu schlagen, sondern auch uns zu behaupten. Wir haben unseren Bruder, unsere Brüder, die nicht mehr an die Familie glaubten, der Familie wiedergewonnen, und ihre grosse Zahl und ihr Familienwille und ihr Familienstolz machen es möglich, die Familie hochzuhalten. Wir blättern in unsern Papieren und lesen von den Ruhmestaten unserer Väter und erzählen sie einer dem anderen. Und froherstaunt erkennen wir in dem einen hier und in dem anderen dort die grossen Züge unserer Väter und beeilen uns, ihm Bahn zu machen. Eine verstreute, schwache und zerfallene Familie zu einem gesunden, starken und bewussten Hause zu machen, das ist unser Nationalgefühl. Mehr wollen wir nicht und mehr dürfen wir nicht wollen. \Venn es sich ergibt, dass die Familie übersiedeln muss oder will nach dem Lande, aus dem sie hervorgegangen (und Schreiber dieses ist im Herzen überzeugt davon), nun dann haben wir sie fähig gemacht, -die Strapazen und manches

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