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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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166 No. 10/11 Stolz erhobenen Hauptes, freudige Erregung in den Zügen, so marschieren sie noch einmal vorbei an der jubelnden Menge, selbstbewusste, stramme jüdische Turner und Turnerinnen! Wer dieses Gefühl nur einmal empfunden, der fragt nicht mehr nach dem Zweck des Schauturnens. Juden freuen sich an Juden! Seltene Freudel Wäre sie allein nicht aller Mühe wert? Muss erst der Verstand , uns sagen, wie sehr gerade unser Schauturnen der gemeinsamen jüdischen Sache im Allgemeinen und der Propaganda für das jüdische Turnwesen im Besonderen dienen, wie sie, selbst eine Frucht der heutigen jüdischnationalen Bewegung, dieser immer neue Mitarbeiter aus allen Ständen des jüdischen Volkes zuführen, wie sie das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die eigene Kraft so vielen wiedergeben, die es längst verloren, die selbst schon das Märchen von jüdischer Feigheit und Schwäche geglaubt? Konnten es doch so viele unter den Delegierten des letzen Baseler Kongresses kaum glauben, dass diese kraftvollen mutigen Turner, die ihnen das Baseler Schauturnen vorführte, Juden, Fleisch von ihrem Fleische, Golusjuden seien! Und der Turner selbst? Er zeigt sein Bestes, nimmt alles aus sich heraus. Wenn das Turnen an sich Mut, Kraft und Ausdauer gibt, das Schauturnen gibt es doppelt und dreifach; denn jeder übertrifft sich selbst. Der hohe Zweck verlohnt wohl auch der grössten Mühe. Und doch will ich mich heute gegen das alljährliche Schauturnen wenden. Nicht gegen das Schauturnen, — nur gegen das alljährliche. Ich habe da speziell österreichische Verhältnisse im Auge. Unsere Schauturnen finden nicht in unseren Turnsälen statt, sondern in grossen öffentlichen Lokalen. Welcher Turnsaal hätte auch Raum für eine grosse Zuschauermenge? Natürlich müssen diese sonst anderen Zwecken dienenden Lokale erst adaptiert werden, und doch können manche Geräte darin garnicht oder nur unvollkommen vorgeführt werden. Doch das nur nebenbei. Aus dem alljährlichen Schauturnen ergeben sich unter den heutigen Verhältnissen in den jüdischen Turnvereinen manche Nachteile für die Vereine selbst.

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