Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10/11 165 Schäden machen sich überall im Leben bemerkbar. Ohne unsere physische Schwäche würden wir viel eher uns des Antisemitismus erwehren können, zieht doch dieser, aus ihr seine meiste Kraft. Am schlimmsten ist es aber in dieser Beziehung um die osteuropäische Judenheit bestellt. Alles dies zwingt zu einer bisher noch nicht eingesetzten, systematischen und organisierten Abhilfe, einer Abhilfe , die unseres Erachtens mir durch allgemeine Tatvereine, durch Turn- und Sportvereine, geleistet werden kann. In dieser Hinsicht entspricht unsere Arbeit den von Jahn an das deutsche Turnen gestellten Anforderungen. Es ist eine Volkssache, eine national-jüdische Aufgabe, für die wir arbeiten, ein Ziel von so eminenter kultureller Bedeutung für die Judenheit, dass jeder echte jüdische Volksfreund uns seine tätige Hilfe gewähren, jeder Nichtjude seine Achtung uns entgegenbringen muss. Eine Resolution wie die des Kreises VIII*» wäre einfach unmöglich gewesen, wenn die Autoren dieses Beschlusses sich über unsere wahren. Ziele besser unterrichtet hätten. Jüdische Schauturnen. Von Dr. Ludwig Werner-Wien. Welchem Zwecke dienen unsere Schauturnen? Unwillkürlich drängt sich diese Frage auf, wenn die zeitraubenden und anstrengenden Vorarbeiten für das alljährliche Schauturnen beginnen. Doch wir geben uns keine Antwort auf diese Frage. Wir betrachten unser alljährliches Vereins-Schauturnen als etwas Selbstverständliches, seitdem wir es zum ersten Male veranstaltet haben. Und wie stolz waren wir auf unser erstes Schauturnen! Heute gilt es uns als Ehrensache des Vereins, unser Schauturnen immer grösser, immer schöner und inhaltsreicher zu gestalten. Stillstand wäre Rückgang. Und fragt sich ein Turner, 'allzuhart mitgenommen von der ermüdenden Vorarbeit, im Stillen nach dem Zwecke seiner Arbeit, das Schauturnen selbst bringt ihm die Antwort. Der grosse Erfolg, die Genugtuung über die eigene Leistung, der freudige Stolz, der die Turnerbrust nach dem mit Ehren bestandenen Schauturnen erfüllt, sie sind die Antwort. Wohl nur eine Antwort des Gefühls - aber eines erhebenden und befreienden Gefühls!