Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 No. 10/11 zeichneten Vereinen nichts gemein hat. Und wenn der Turntag des Kreises Vfflb es so zu sagen als selbstverständliche Voraussetzung hinstellt, dass unsere jüdischen Turnvereine mit Rücksicht auf irgend welche Vorfälle in der „Deutschen Turnerschaft" gegründet worden seien, so liegt darin völlige Verkennung unserer Zwecke. Denn unsere Bestrebungen wollen kein Asylfür herausgeworfene oder herausgeärgerte Juden schaffen, sind überhaupt nicht auf das negative Moment, das die Resolution des Kreises ihnen unterstellt, zurückzuführen. Die Jüdische Turnbewegung hat vielmehr ihre grossen positiven Aufgaben, ein umfangreiches, fruchtbares und bisher völlig brach gelegenes Arbeitsfeld harrt noch der Beackerung. Das Programm der jüdischen Turnvereine ist ein anderes als das der „Deutschen Turnerschaft". Die Kreise, für die wir tätig sein wollen, kommen zum grossen Teile nicht einmal in der Theorie für die „Deutsche Turnerschaft" in Betracht, weil sie ausserhalb der Interessesphäre der letzteren liegen. Von zwei Voraussetzungen gehen wir aus: 1) Die gesamte Judenheit ist eine Nation, d. h. eine durch Abstammung und Geschichte einige Gemeinschaft, die den Willen hat, sich auch fernerhin als solche zu erhalten. Wie jede nationale Erhaltung und Kräftigung nur von den eigenen Stammesgenossen bewirkt werden kann, so kann auch die jüdische Stammesgemeinschaft nur auf dem Wege der Selbstbefreiung gestärkt werden. Dazu bedarf es einer Tätigkeit, die alle diejenigen Um- und Zustände, welche den Wert einer Nation mindern, beseitigt. 2) Körperliche Tüchtigkeit ist ein Haupterfordernis für das Gedeihen und die Wohlfahrt einer Nation. Ebenso wie die körperliche vollwertigkeit dazu beiträgt, dass das innerliche Leben des Individuums sich reicher gestalte, dass der Einzelne im wirtschaftlichen Leben konkurrenzfähiger wird, ebenso wirkt auch die körperliche Ebenbürtigkeit einer Nation in hervorragendem Masse auf ihre kulturelle und wirtschaftliche Stärke. Die wissenschaftlichen Untersuchungen über unsere physische Beschaffenheit liefern aber denNaehweis eines schon ziemlich weit vorgeschrittenen körperlichen Niederganges. Die durch die Degeneration der Juden hervorgerufenen