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Jüdische Turnzeitung · 1904-10-01 · 10/11 (10.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
10/11 (10.1904)
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 10/11 168 sehen Turnvereine nicht frei von Antisemitismus seien, Mit derartigen Unwahrheiten kann man nur einer gewissen Art „liberaler" oder „jüdischer" Blatter kommen, die sofort in freudige Ekstase geraten, wenn man ihnen sagt, in X. sei ein Jude menschlich behandelt worden. Unsere Zeitschrift hat sich stets von der Uebertreibung in dieser Frage gehütet und hat unumwunden und gern zugestanden, dass die Führer der „Deutschen Turnerschaft" brave Männer sind, die aucn in der Judenfrage gerecht urteilen, die aber trotz alledem nicht die Macht haben, den antisemitischen Umtrieben in ihrem eigenen Verbände den Garaus zu machen. Die Stellung der Juden in den deutschen Turnvereinen ist in einigen wenigen Ausnahmefällen sogar eine angesehene, in den meisten übrigen Fällen aber für einen feinfühlenden Menschen geradezu unerträglich, wie eben heute fast allenthalben der gesellschaftliche Antisemitismus einen friedlichen, ungezwungenen Verkehr, und um einen solchen handelt es sich in Turnvereinen, einfach unmöglich macht. Der offene und mehr noch der versteckte Antisemitismus der der „Deutschen Turnerschaft" zugehörigen Vereine sollte für sich allein schon den deutschen Juden davon zurückhalten, seine Kraft diesem Verbände zu widmen und könnte — .vom Standpunkte der Herren des Kreises VIIIt> aus gesehen, die ja in ihrer Resolution dies auch indirekt zugeben — den Zusammenschluss von Juden zu eigenen Turnvereinigungen rechtfertigen, mögen diese Organisationen nun mit Rücksicht auf das liberale Regiment des deutschen Turnverbandes weiter in ihm verbleiben oder sich als „wilde" Vereine auf tun. In der Praxis finden sich denn auch beide Spielarten gleich zahlreich vertreten. In beiden herrscht eine Ghetto- Atmosphäre, die jedes jüdische Selbstbewusstsein von vornherein erstickt und die von selber ein Fernbleiben andersgesinnter Elemente veranlasst. Beiden ist auch das tragikomische Bemühen, nur nicht als „jüdisch" zu gelten, eigen, und hiermit verbindet sich ein freilich nur von kurzdauerndem Erfolge begleitetes „Keilen" eines oder mehrerer nichtjüdischer Mitglieder, die man dann mit Stolz bei jeder Gelegenheit berumzeigt! Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass unsere jüdische Turnbewegung mit diesen leider als „jüdisch" be-

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