Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 10/11 (10.1904)
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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162 No. 10/11 Ueber den Ton, auf den dieser Beschluss gestimmt ist, wollen wir kein Wort weiter verlieren. Es genügt der Hinweis, dass nach allgemeinem Urteil der fragliche Vortrag jedes agitatorischen Charakters entbehrte, und dass die Versammlung, in der er stattfand, einen würdigen und ruhigen Verlauf nahm. Aber die Begründung, die der Kreisturntag der Resolution giebt, zeigt eine so völlige Verkennung unserer Zwecke, dass eine nochmalige Klarstellung geboten erscheint. Dem Kreisturntag wäre es übrigens ein Leichtes gewesen, sich über das Programm unserer jüdischen Turnvereine an der authentischen Stelle zu informieren, er hätte nur die programmatischen Darlegungen der Jüdischen Turnerschaft", die im Herbste vorigen Jahres anlässlich der von der Kölnischen Zeitung gegen uns entrierten Polemik in diesem Blatte und in allen grossen deutschen Tageszeitungen veröffentlicht wurden, durchzulesen und sich nicht an unverkennbar parteiisch gefärbte Zeitungsberichte oder Mitteilungen interessierter Persönlichkeiten als einzig in Betracht kommende Quellen zu halten brauchen. Der „Ausschuss" der „Jüdischen Turnerschaft" hat dem Kreisturntag auf seine Resolution eine Erklärung zugehen lassen, in der er nochmals kurz und bündig die Ziele der jüdischen Turnbewegung klarlegt. Die Voraussetzungen, von denen der Kreisturntag zu unserer „Verurteilung" gelangt, sind irrige. Er erklärt, der Jude geniesse in den deutschen Turnvereinen gleiches Vertrauen und gleiche Achtung wie der Nichtjude, und daher hätten die jüdischen Turnvereine keine Existenzberechtigung. "Will der Beschluss damit etwa sagen, dass, wenn die jüdischen Turner den Gegenbeweis liefern, dass in deutschen Turnvereinen dennoch antisemitische Störungen bemerkbar seien, ihre selbständige Organisierung auch nach Meinung des Kreises VIIIb begründet sei, oder heisst das, wir jüdischen Turner hätten uns wegen des Antisemitismus in der „Deutschen Turnerschaft" separiert? Beide Voraussetzungen sind falsch. Denn einmal genügt ein Blick, nicht hinter die Kulissen, sondern auf die offene Bühne der „Deutschen Turnerschaft", um sich von der Haltlosigkeit der Behauptung zu überzeugen, dass die deut-