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Jüdische Turnzeitung · 1904-09-01 · 9 (9.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
9 (9.1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Xo. 9 und da können wir sagen, dass methodische Muskelübungen im wesentlichen nach drei Richtungen nützlich wirken: auf das Muskelsystem, die Kreislauforgane und das Nervensystem. Die direkte Wirkung auf das Muskelsystem: gleichartige Entwicklung und Kraftentfaltung der einzelnen Muskelgruppen — war die eigentliche Absicht der gymnastischen Spiele der alten Griechen. Sie wollten damit in der Hauptsache ihrem Schönheitsideal fröhnen. und wie sehr ihnen dies gelungen, lehren die sehnigen, kraftfrohen Jünglingsgestalten in Marmor und Bronze, die aus dem griechischen Altertum tiberkommen sind. Diese mehr äusserlich-ästhetische Seite physischer Kultur hat bisher, auch in den Kreisen jüdischer Turner, wenig Beobachtung gefunden. Wie sehr tut das not! Findet doch das Schönheit suchende Auge an den Leibern junger Juden so wenig Erquickliches, so wenig, was an den Königsknaben des Hoheliedes gemahnt, dessen ..Leib ein Schaft von Elfenbein, seine Schenkel Marmorsäulen, auf ehernem Fuss ruhend, ein Jüngling. Gedern gleich.'- Auf das Kreislaufsystem wirkt turnerische Motion dadurch, dass die Muskeln im Wechsel von Spannung und Erschlaffung ihr reiches Adernetz strotzend mit Blut füllen und es wieder auspressen, vor allem auch dadurch, dass das Herz, häutiger und ausgiebiger pulsierend, den Blutumlauf energischer und in schnellerem Rhythmus vor siok gehen lässt. Dabei werden die xVbfallstoffe aus allen Winkeln der Organe, besonders der Leber und der Niere, ausgekehrt, in der Lunge geben die roten Blutkörperchen häufiger und ausgiebiger ihre Kohlensäure ab und sättigen sich mit dem Sauerstoff der Atmungsluft, alle Gewebe des Körpers erhalten reichliche Zufuhr besserer Säfte. Wie die anderen Organe, wird auch das Gehirn bei diesem Ruck im Blutkreislauf von allen bei seiner Arbeit sich bildenden Zersetzungsprodukten, welche als Ermüdungsstoffe wirken, gereinigt und mit Sauerstoff reichem Blut durchströmt. Weiterhin, indem bei längerer Muskelarbeit die Hauptmasse des Blutes den tätigen Muskeln zufliesst. tritt eine heilsame Blutentlastung des-'ganzen Nervensystems ein. Aber noch viel direkter ist schliesslich die Beeinflussung der nervösen Gentren durch gymnastische Übungen: wie die Muskulatur bei längerer Arbeit fortdauernder Blutzufuhr bedarf, so erfordert ihre Aktion auch die Zuleitung immer neuer nervöser Energien und ermöglicht so eine wohltätige Ausgleichung und Verteilung der Nervenspannung. So wird der Überfluss an Nervenreizen, der auf dem arbeitenden Gehirn lastete, abgeleitet: der Kopf wird frei und frisch, der Geist findet Ruhe und behagliche «eflexioüslosigkeit, die Seele wird heiter und gleichmütig, kurz, das physische Gleichgewicht wird wiederhergestellt. Und nachdem ein gewisses Mass von Muskelleistungen erreicht ist. tritt eine gesunde, erquickliche Müdigkeit ein, die einen tiefen, seligen Schlaf verheisst. Wenn der geistige Arbeiter nach seinem Tagewerk eine schlaffe, leere Mattigkeit fühlt, jene krankhafte Abspannung, die so oft von unruhigem, vielfach unterbrochenem Schlaf gefolgt ist, dann kann man ihm in erster Reihe den Rat geben, sich in tüchtiger Durcharbeitung der Muskeln von der geistigen Ermattung zu befreien und an ihre Stelle eine ehrliche, körperliche Ermüdung treten z« lassen, um den Schlaf des Gerechten zu finden.

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