Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 9 (9.1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nu.!• nationalen Zielen zuzustreben? Gewiss nicht! Denn jener jüdische Feldherr, der eben weniger geschickter Stratege als in erster Linie begeisterter Jude war, hat uns gezeigt, dass die Minorität mit den Waffen auf die Dauer nichts erreichen kann. Und wie unterscheidet sich nicht unsere Bewegung von jenem Aufstand: dort Krieg, hier völkerrechtliche Grundlagen, dort stürmischer Uebereifer, hier planvolles und überlegtes Vorgehen! Wir dürfen nie nach dem Erfolge gehen, denn der Erfolg bringt oft Unmoralisches zur Macht und unterdrückt ebenso oft das Recht. Die Sache selbst müssen wir ins Auge fassen und fragen, ist sie recht oder nicht! Und haben wir erst den elenden Geist des Opportunismus überwunden, der uns fragt, wie erscheint die Sache dem und dem, und was wird das Ende sein, lernen wir erst fragen, hat die Sache ihre Berechtigung, ihre Notwendigkeit in sich oder nicht, dann werden wir aus der Barkochbazeit unsere Lehren ziehen können. Denn dann sehen wir in Barkochba einen Mann, der zwar nicht Neues wollte, aber Grosses, der keine Erfolge erreichte, aber für eine edle Sache kämpfte, der uns aber doch bewiesen hat, dass die Begeisterung viel vermag. Und wir nehmen ihn zum Vorbild in unserer Begeisterung für unsere Volkstümlichkeit und unserer Arbeit für's Judentum, wie er danach strebend, das jüdische Volk wieder zu sich selbst zurückzuführen. Und mit Recht geben wir unserem Turnverein den Namen jenes unsterblichen Helden, der uns im Leben und im Tode gezeigt hat, wie man für's Judentum schafft und stirbt! Turnen und Nervensystem. Von Dr. Jeremias-Posen. Über den Einfluss des Turnens auf das Nervensystem zu sprechen, liegt mir nicht nur aus beruflichen Gründen nahe, sondern vor allem deshalb, weil die wohltätige und heilsame Wirkung der Turnerei gerade dem nervösen Geschlecht unserer Zeit und dem entnervten Juden wohl am meisten not tut. Fragen wir erst einmal, nach welchen Richtungen überhaupt die Gymnastik sich wirksam erweist. Die Phrase „harmonische Ausbildung von Körper und Geist'*, das Citat „mens sana in corpore sano", bis zum Überdruss wiederholt bei Besprechung dieser Dinge, werden, so wenig ihr einfacher Sinn dies rechtfertigt, fast immer mit der Tendenz angewendet, dass das eigentliche Endziel aller körperlichen Übungen die Hygiene der Nerven und der Seele sei. Und in der Tat, wenn man die Sache streng wissenschaftlich ansieht, so entsteht aller Segen der körperlichen Kultur direkt oder indirekt durch Einflüsse auf das Nervensystem. Doch wir suchen hier nicht wissenschaftliche Definitionen, sondern populäre Klarstellung