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Jüdische Turnzeitung · 1904-09-01 · 9 (9.1904) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
5 (1904)
Issue
9 (9.1904)
Date
1904-09-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 9 158 unseres nationalen Gedankens. Gerade der Turnverein Bar Koc'hba gibt sich der Erfüllung dieses Zieles mit aller Begeisterung hin. Das Turnen güt nicht als Selbstzweck, sondern wie es auch der Turnvater Jahn auffasste, als Mittel zur Entwickelung der physischen und moralischen Volkskraft. Persönliche Gesundung und körperliche Kräftigung kann der einzelne auch durch anderweitige Leibesübungen und durch Sport erlangen: im Turnen tritt noch die Notwendigkeit straffer Disciplin und Unterordnung des einzelnen unter einen höheren Willen als wesentliches Erziehungsmittel hinzu. Und dieses Sichfügen des einzelnen einer gemeinsamen Idee, das bei der ja leider nur zu bekannten persönlichen Herrschsucht des Juden doppelt notwendig ist, soll ein grosses Ziel gemeinschaftlich erreicht werden, ist heutzutage viel schwerer zu erreichen, als zur Zeit Barkochbas. Denn — und hiermit, kommen wir auf die wichtigeren Unterschiede zu sprechen, die die beiden Bewegungen trennen — wahrend Barkochba Männer um sich scharte, in denen die Erinnerung an den untergegangenen Staat nbch frisch lebte, die vielleicht zum Teil noch selber den Tempel gesehen hatten oder doch im alten nationalen Sinne erzogen waren, lebt heut ein Geschlecht, dem die Kunde von einem ehemaligen jüdischen Staat wie ein Märchen aus alter Zeit klingt. Und wenn damals die nationale Flamme nur frisch angefacht werden brauchte, da sie unter dem Schutt der Trümmer weiter gebrannt hatte, so musste sie in unseren Tagen überhaupt von neuem entzündet werden, da sie fast ganz erloschen war. Und dazu kommt, dass Barkochba noch im eigenen Lande, im Lande der Väter wurzelte und all seine und seiner Volksgenossen Kraft aus dem Heimatsboden sog, während, für uns auch dieser Fäden schon gerissen war und die Liebe zum Heimatlande, wo der Ahne einst gelebt und gelitten hat, erst durch die Erinnerung wachgerufen werden musste. Aber trotz der zweitausendjährigen Verbannung aus dem eigentlichen Vaterlande war auch bei uns das Nationalgefühi nicht ganz erloschen und bedurfte nur der entsprechenden Befruchtung, um wieder Blüten zu treiben. Obwohl nun Barkochba das noch vorhandene stark ausgeprägte Volksbewusstsein und die Bande, die ihn und seine Volksgenossen mit dem Lande der Ahnen verknüpften, hatte die von ihm geleitete Erhebung doch jenen tragischen Ausgang, unter dessen Folgen wir bis auf diesen Tag zu leiden haben. Denn, wie Grätz sagt, es war ein Wahnsinn, gegen Rom zu kämpfen. Alle Begeisterung vermochte nichts gegen römische Legionen und römische Feldherrnkimst. Aber darf uns Barkochbas Misserfolg davon abhalten, unsere nationalen Aufgaben zu erfüllen, unseren

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